Autos als Werbeträger: Werber und Konsumenten profitieren.
wien. Gut möglich, dass sie demnächst ein Früchtchen auf der Straße sehen. Frisch, farbenfroh und mit vier Rädern unten dran. Seit neuestem hat Stefan Miklauz von Laudamotion nämlich neue Kundschaft: Der Fruchtsafthersteller Pago hat einen Pulk der niedlichen Smarts mit bunten Sujets folieren lassen. Jetzt fahren die kleinen Flitzer wie motorisierte Plakate durch die Gegend und erwecken das, worauf ein jedes Unternehmen hofft: Aufmerksamkeit.
Das Auto als Werbefläche ist heiß begehrt: Ähnlich wie Laudamotion bietet auch die Firma CoolCar Fahrzeuge - in dem Fall ist es ein Mini oder ein Citroën - als Träger von Werbebotschaften an. Während man aber die Smarts aus dem Stall des ehemaligen Formel-1-Weltmeisters Niki Lauda als Ottonormalverbraucher nur für einen oder wenige Tage mieten kann, sind die coolen Minis vornehmlich zur Langzeitmiete gedacht. Und mit einem System ausgestattet, das misst, wann das Auto wie lange in einer werblich relevanten Zone unterwegs ist.
Wie zündend die Idee der rollenden Werbefläche ist, zeigt auch ein Coup der Wiener Werbeagentur Unique: Deren Kunde Chevrolet verkauft Autos mit der Aufschrift "Mycokemusic.at" des Getränkeherstellers Coca Cola derzeit um 1.000 Euro billiger an Endverbraucher. Bedingung für den Nachlass: die Aufschrift darf erst nach einem Jahr entfernt werden.
Ähnliche Ideen, verschiedene Konzepte. Laut Miklauz verdient Laudamotion sein Geld "ausschließlich durch die Vermietung der Werbefläche", das Auto sei bloß ein "Mittel zum Zweck". Der eine Euro, den man pro Tag für einen gebrandeten Smart zahlt, sei nur ein "symbolischer Wert", der die Kosten nicht deckt. Deshalb halte man auch die Vermietungszeiten an die Endverbraucher kurz: Weil die Autos jederzeit für Promotion-Aktivitäten oder Showfahrten des werbenden Unternehmens eingezogen werden können. Außerdem wolle man so viele Fahrer wie möglich haben, um den "Wow-Effekt", der entsteht, wenn einer in einer fahrenden Erdbeere daher kommt, zu potenzieren.
Auch hier wird kontrolliert, in welchen Zonen das Auto bewegt wird: Wer sich einen Laudamotion-Smart ausborgt, darf eine gewisse Region nicht verlassen - was mittels GPS kontrolliert wird. Laudamotion garantiert 14.000 Netto-Sichtkontakte pro Tag und Fahrzeug - das kostet den Werbekunden 700 Euro pro Monat.
Auch Rudolf Bauer, der im vergangenen Herbst CoolCar mit begründet hat, meint, das Medium Auto sei "die mobilste Form der werblichen Möglichkeiten". Das Unternehmen verfügt über ein System, das erfasst, wie viele Autos eines Werbekunden jeweils in welchem Gebiet unterwegs sind. Auch hier hilft GPS. Die Kunden mieten das Auto aber gleich für ein oder mehrere Jahre und dürfen damit nach Belieben unterwegs sein. "Je mehr die Fahrer das Auto in werblich relevanten Zonen bewegen, desto weniger zahlen sie." Die Mariahilfer Straße und der Ring gelten als Top-Zone.
Dabei geht es nicht um die Zahl der gefahrenen Kilometer, das hält Bauer für "werblich sinnlos", sondern um das Fahren in den relevanten Zonen. Parken gilt nicht. "Wir könnten nicht feststellen, ob das Auto nicht im Hof abgestellt ist." Je länger man mit dem Auto in werblich interessanten Gebieten unterwegs ist, umso billiger: von maximal 570 Euro monatlich kann die Miete auf 199 Euro heruntergefahren werden. Das werbende Unternehmen kann die CoolCars aber auch selber mieten oder von CoolCar-Mitarbeitern in gewünschten Zonen fahren lassen.
Die verbilligten Chevrolets mit Coke-Aufschrift sind für Robert Judtmann von Unique ein "Testballon". Vorerst wurden 50 gebrandete Wagen zur Verfügung gestellt. Sie werden nur über Internet verkauft - und nur in Wien. Denn: Wenn alle verkauft sind, soll man die Autos auch am Markt "merken". Der Vorteil für den Werbekunden: "Man hat eine Werbefläche nicht nur für ein Monat, sondern für ein Jahr - und das um nicht einmal 100 Euro im Monat."