Forstwirtschaft: "Keine Angst vor dem Osten" Holzindustrie schreibt Rekord

Die heimische Holzwirtschaft hat die Exporte erneut stark gesteigert.

WIEN. "Ich fürchte mich nicht übermäßig vor einer Konkurrenz aus Osteuropa." Claudius Kollmann, Geschäftsführer des Fachverbands der Holzindustrie, ist sich sicher, dass die heimischen Betriebe sehr gut aufgestellt sind. Österreich habe die modernste Säge- und Plattenindustrie und könne mit hochveredelten Produkten punkten. "An Importen kommen eher Halbfertigprodukte", so Kollmann zur "Presse".

Zudem würden sich in der Holzwirtschaft, die ein sehr kapitalintensives Geschäft ist, die niedrigeren Löhne im Osten kaum auswirken. Der Trend gehe sogar in die umgekehrte Richtung. "Mit den Oststaaten haben wir beim Holz zwar noch ein Handelsdefizit, das wird aber immer kleiner", sagt er.

Hans Michael Offner, Vorsitzender der österreichischen Sägeindustrie, macht allerdings darauf aufmerksam, dass in den nächsten Jahren gigantische zusätzliche Kapazitäten aufgebaut würden, vor allem im Baltikum, in Polen, der Slowakei und Rumänien. Importiert aus Osteuropa - und auch aus Deutschland - wird vorwiegend Rundholz, das in Österreich geschnitten wird. "Damit gleichen wir aus, dass in den österreichischen Wäldern zu wenig Holz geerntet wird", sagt Offner. In Österreichs Wäldern werden nur zwei Drittel des jährlichen Zuwachses genutzt, in den Bauernwäldern bleibt sogar die Hälfte des Holzes ungenutzt stehen.

Im Vorjahr konnte die heimische Holzwirtschaft weiter zulegen. Der Produktionswert stieg laut einer ersten Schätzung um rund fünf Prozent. Vor allem der Export lief ausgezeichnet: Die Sägewirtschaft konnte die Ausfuhren erneut um fast neun Prozent steigern. Offner zufolge lief vor allem das Geschäft mit den USA "sehr erfreulich". Der deutsche Markt habe sich wiederbelebt, Italien, Frankreich und Spanien verzeichneten zum Teil zweistellige Wachstumsraten. Rund ein Fünftel des weltweiten Exports von Schnittholz stammt aus Österreich.

Mit plus 7,5 Prozent konnte die verarbeitende Industrie ihre Exporte sogar noch stärker steigern. Hohe Zuwächse gab es Kollmann zufolge bei Platten, zum Teil im Baubereich und auch in der Ski-Industrie - und das trotz des stark gestiegenen Euro. Der einzige Wermutstropfen: Die Ertragslage sei weiterhin schwach, so Kollmann. Und Hoffnungen auf Preissteigerungen seien nicht angebracht. "Im Herbst haben einige erwartet, dass sich die Holzpreise erhöhen könnten, das ist aber nicht eingetreten", sagt Offner.

Der gigantische Windwurf in Skandinavien und im Baltikum - der Sturm hat Mitte Jänner rund 100 Mill. Festmeter Holz gefällt - zeigt bisher keine Auswirkungen auf den Märkten. "Vorsicht am Markt" sei aber geboten, mahnt Offner. Die skandinavische und baltische Holzindustrie, die in den letzten Jahren an Rohstoffmangel litten, könne nun mit Volldampf arbeiten und Österreich Konkurrenz machen. Ob es zu einem größeren Preisdruck kommen werde, kann Offner derzeit nicht sagen. "Preissteigerungen halte ich aber für absolut nicht denkbar."

Die heimische Holzindustrie beschäftigt rund 30.500 Mitarbeiter, setzte zuletzt knapp 5,5 Mrd. Euro um und ist mit einem Handelsbilanzüberschuss von zwei Mrd. Euro neben dem Tourismus der größte Aktivposten in der Außenwirtschaft. Der österreichische Holzverbrauch ist mit 0,67 Kubikmeter pro Kopf und Jahr dreimal so hoch wie im EU-Schnitt.


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