UniCredit könnte Bankspitze in Wien neu besetzen
Wien (dom/ag). Bei der Übernahme der HypoVereinsbank durch die italienische Großbank UniCredit herrscht im Moment offiziell Funkstille. Das Übernahmeangebot der Italiener an die HVB-Aktionäre läuft bis 10. Oktober, jenes an die Aktionäre der HVB-Tochter BA-CA eine Woche länger. Offen ist, ob im letzten Moment, also vermutlich ganz knapp vor dem 10. Oktober, den HVB-Aktionären ein Gegenangebot präsentiert wird. Dem Vernehmen nach wird ein solches von arabischen Finanzinvestoren vorbereitet.
Zwischen Mailand, München und Wien wird hinter den Kulissen derzeitig heftig verhandelt, nach außen hin geben sich die Banker aber zugeknöpft. Dafür brodelt die Gerüchteküche umso heftiger. So analysiert die deutsche Tageszeitung "Die Welt" in ihrer Freitag-Ausgabe unter dem Titel "Wiener Mauer" den schwelenden Konflikt zwischen UniCredit und BA-CA und bringt Finanzminister Grasser als neuen BA-CA-Chef ins Gespräch.
Bislang, so heißt es, hätten die Wiener UniCredit-Boss Alessandro Profumo nicht einmal tief genug in ihre Bücher schauen lassen. Der BA-CA-Vorstand habe in seiner Stellungnahme seinen Aktionären nicht zum Umtausch in Uni-Credit-Papiere geraten, der Betriebsrat lehne Profumos Pläne über die künftige Konzernstruktur ab und Gerhard Randa, einst Vorstand der BA-CA und der HVB, schieße als Vorstand der AVZ in Interviews quer.
Deshalb - so "Die Welt" - habe Profumo sogar schon über einen Nachfolger für BA-CA-Chef Erich Hampel nachgedacht. Gerüchten zufolge schwebte ihm kurzzeitig Karl-Heinz Grasser vor. Andere Quellen besagen, dass Grasser selbst in Mailand vorgefühlt habe. Dass der Finanzminister schon seit längerem versucht, für die Zeit nach der Politik einen Job zu finden, ist kein Geheimnis. Die Rückkehr in den Magna-Konzern dürfte ihn nur wenig reizen, eine Karriere als Banker umso mehr. Mit Hannes Androsch wechselte vor Jahren schon einmal ein österreichischer Finanzminister ins CA-Gebäude am Wiener Schottenring. Seit längerem gibt es auch Spekulationen, dass Grasser Leo Wallner, den Langzeit-Chef der Casinos Austria, ablösen können.
In Polen sorgt der UniCredit-Deal inzwischen für Aufregung im Wahlkampf. Wie berichtet, sollen nach der Übernahme die Töchter von HVB und UniCredit zusammengelegt werden. Es entstünde die größte Bank Polens mit etwa 20 Prozent Marktanteil. Die nationalkonservative Partei PiS wettert nun heftig gegen die geplante Fusion. Die Regierung müsse sie verbieten, da sonst tausende Jobs wegfallen würden. Es tauchte auch die Forderung auf, Warschau statt Wien zur Ostzentrale des UniCredit-Konzerns zu machen.