Rumänien - nach Polen der größte Markt in Osteuropa - zieht vor allem österreichische Firmen an.
WIEN. "Vor vier, fünf Jahren hat die Lage noch sehr trist ausgeschaut. Aber das hat sich schnell gedreht: Der Markt ist populär geworden." So sieht Markus Heidinger, Anwalt bei der Wiener Sozietät Wolf Theiss die jüngste Entwicklung Rumäniens. Wolf Theiss spürt die Dynamik quasi am eigenen Leib: Erst im Herbst eröffnet, hat die Niederlassung in Bukarest mittlerweile 15 Mitarbeiter. "Wir haben noch kein Büro eröffnet, das so schnell gewachsen ist", erzählt Horst Ebhardt, der das Büro aufgebaut hat. Wolf Theiss ist in bislang neun Staaten tätig.
Rumänien ist nach Polen der größte Markt in Ost- und Südosteuropa. "Alle Investoren gehen mit großer Kriegskasse hin", so Ebhardt - selbst Investoren aus den USA, die ansonsten in Ost- und Südosteuropa eher vorsichtig unterwegs sind. Großakquisitionen ziehen dabei viele andere Investition nach sich. Ebhardt: "Das ist eine Sogwirkung." Der OMV - seit einem Jahr Besitzer des Erdölkonzerns Petrom - beispielsweise folgen zahlreiche Zulieferer nach.
Österreich ist heuer mit Abstand der größte Auslandsinvestor in Rumänien. 3500 Firmen haben österreichische Beteiligungen, rund 2500 Österreicher leben und arbeiten in Rumänien.
Der Zuzug ausländischer Firmen ist derart stark, dass es an allen Ecken und Enden an Büroraum mangelt. Die Folge: Die Immobilienpreise steigen jährlich um 30 bis 50 Prozent. Beobachter sprechen schon von einer "Überhitzung" und vergleichen die Situation mit Warschau Mitte der 90-er Jahre.
In den letzten Jahren hat sich die rumänische Volkswirtschaft gut entwickelt, die jährlichen Wachstumsraten lagen bei fünf bis acht Prozent. Die Arbeitslosigkeit ist trotz vieler Umstrukturierungen nicht stark gestiegen und bei rund sieben Prozent konstant.
Ein zunehmendes Problem ist das steigende Leistungsbilanzdefizit. Heuer freilich haben die riesigen Hochwässer das Wachstum verregnet: Erwartet wird "nur" ein BIP-Plus um rund vier Prozent.
Rumänien hat noch einige gravierende Probleme zu bewältigen. Neben der nicht immer gegebenen Rechtssicherheit ist dies vor allem die allgegenwärtige Korruption. Einige große Privatisierungen stehen noch an, etwa die rumänische Gasgesellschaft Romgas, die Bukarester Energiebetriebe und der restliche Staatsanteil von Dacia - an der bereits Renault beteiligt ist.