Plastik-Solarzellen als Alternative zu Silizium.
Einen Vorgeschmack auf das, was die Fotovoltaik der Zu kunft sein könnte, gibt seit kurzem die US-Firma Konarka. Sie hat einen organischen Halbleiter entwickelt, aus dem man Solarzellen herstellen kann - und zwar indem er auf beliebige Oberflächen wie etwa Plastikfolien gedruckt wird. Das ist eine Revolution, weil der derzeitige Stoff, aus dem Solarstrom gemacht wird, das spröde Silizium ist. Versuchsweise gibt es schon Taschen mit der stromliefernden Beschichtung, die etwa ein Handy versorgen. Militärs experimentieren beispielsweise mit Zelten, die gleichzeitig Stromlieferanten für ein Camp sind.
Physikalisch passiert bei den neuen "Plastik-Solarzellen" dasselbe wie bei den herkömmlichen Silizium-Paneelen: Durch die Energie des Lichtes werden in der Solarzelle Ladungen getrennt, und diese können als Strom genutzt werden. Zwei Nachteile haben die neuen Materialien - ein Teil des Know How stammt übrigens vom Linzer Chemiker Niyazi Serdar Sariciftci - gegenüber Silizium noch: Sie sind nicht ausreichend stabil, und ihr Wirkungsgrad ist noch deutlich niedriger.
Deshalb spielen Plastik-Solarzellen in der Praxis auch noch keine Rolle. Da bleibt Silizium die Nummer eins - und dieses Material boomt derzeit wie niemals zuvor. Im Vorjahr ist der Welt-Fotovoltaikmarkt um satte 42 Prozent gewachsen. Auch die meisten Solartechnik-Firmen, die in letzter Zeit den Börsegang gewagt haben, entwickeln sich weiter gut. Und Erdölkonzerne wie Shell oder BP pumpen gewaltige Summen in die Weiterentwicklung der Fotovoltaik.
Derzeit ist Sonnenstrom bei weitem nicht wettbewerbsfähig: In Österreich war Solarstrom bisher mit 60 Cent je Kilowattstunde (kWh) gefördert - das ist mehr als das Zehnfache des Marktpreises. Fortschritte gibt es laufend: Für das neue Ökostrom-Regime wünscht sich die heimische Solar-Wirtschaft nun einen Einspeisetarif von 45 Cent je kWh.
Laut Internationaler Energieagentur können die Kosten binnen zehn Jahren um 50 Prozent abgesenkt werden. Die resultierenden gut 20 Cent seien dann "in der Nähe" des Endverbraucherpreises von Strom (15 bis 17 Cent kWh), meint man im Branchenverband "Photovoltaic Austria".
Um noch billiger zu werden, dafür sind wohl neue Technologien unumgänglich. Das Potenzial der Plastik-Solarzellen traut sich derzeit niemand seriös abzuschätzen - viel zu unklar ist, welche Wirkungsgrade mit ihnen erreichbar sind. Bei den Herstellungskosten rechnet Konarka jedenfalls mit einer Senkung um zwei Drittel.