Technologie: High Tech in der Futterkrippe

Mit Hefen, die Pilz-Gifte im Tierfutter abbauen, will die niederösterreichische Firma Biomin punkten.

W
enn sich die wissenschaft lichen Untersuchungen in der Praxis bewahrheiten, dann ist dem niederösterreichischen Unternehmen Biomin ein großer Schritt gelungen: Spezielle Hefe-Pilze, die dem Tierfutter beigemischt werden, sind in der Lage, Pilz-Gifte unschädlich zu machen.

Was auf den ersten Blick nicht allzu spektakulär klingt, ist in der Praxis ein großes Problem. Ist das Futter zu feucht, können sich Schimmelpilze vermehren, die extrem giftige Stoffe ("Mykotoxine") produzieren. Bei Schweinen rufen diese schwere Symptome hervor: akute Leber- und Nierenschäden oder Störungen des Immunsystems und im Hormonhaushalt.

Schätzungen zufolge ist weltweit ein Viertel des Getreides mit Pilzen verseucht. Bisher versuchte man, Toxine durch Bindung ("Adsorption") an mineralische Futterzusätze zu entschärfen. Das funktioniert aber nicht bei allen Toxin-Typen - viele werden im Verdauungstrakt wieder freigesetzt.

Und genau hier kommen die speziellen Hefen ins Spiel: Sie werden in Fermentoren gezüchtet, durch Gefriertrocknung stabilisiert und dem Futter beigemischt. Sobald die Zellen wieder mit Waser in Berührung kommen, erwachen sie zum Leben - und bauen die Pilz-Gifte komplett ab. Nur ein Ergebnis der wissenschaftlichen Studien: Die durchschnittliche Ferkelzahl pro Wurf ist in einem Versuch um 1,1 auf 9,8 gestiegen.

Die Gift-fressende Hefe ist nur ein aktuelles Beispiel dafür, dass Viehfutter schon längst kein "altfaderisches" Produkt mehr ist, sondern heutzutage viel mit High-Tech zu tun hat. ist. So ist es gang und gäbe, Rindern spezielle Protein-Mischungen und Milchkühen "Pansen-Puffer" zu verabreichen. Oder an Ferkel Probiotika und Milchsäurebakterien zu verfüttern, die - wie beim Menschen - die Darmflora verbessern.

Biomin ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten mit solchen Innovation zu einem international beachteten Unternehmen herangereift: Mit 226 Mitarbeitern wurden zuletzt 43,6 Mill. Euro umgesetzt, auch heuer ist ein zweistelliges Wachstum geplant. Tätig ist das Unternehmen in 80 Staaten, in Vietnam ist Biomin sogar die erste österreichische Firma mit einer Produktionsstätte. Mit der nunmehrigen Erfindung wurde das Unternehmen für den Staatspreis Innovation 2004 nominiert, der am 9. März vergeben wird.


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