Missernte treibt Kaffeepreis

Welthandel. Seit November wurde Kaffee doppelt so teuer.

WIEN. Die Preisentwicklung von Kaffee ist höchst bemerkenswert. Noch im März 2004 lagen die Preise auf dem Tiefststand seit 100 Jahren. Damals warnte die Weltbank davor, dass Millionen von Kaffeebauern verarmen könnten, weil sie keine kostendeckenden Preise erzielen konnten.

Nun hat sich das Blatt gewendet - und eine gigantische Pleite ist Grund dafür, dass sämtliche Rohkaffeesorten laut der International Coffee Organisation (ICO) heute durchschnittlich doppelt so viel kosten wie vor einem Jahr. Denn im weltgrößten Anbauland Brasilien - jede dritte Kaffeebohne stammt von dort - wurde heuer um 20 Prozent weniger geerntet.

Die Folge: Nur rund 107 Mill. Sack Rohkaffee à 60 Kilogramm sollen laut ICO-Schätzung heuer geerntet werden - um mehr als sechs Prozent weniger als im Vorjahr. Die Nachfrage soll aber 113,7 Millionen Sack betragen. Und so wird es heuer mit großer Wahrscheinlichkeit weniger Kaffee geben, als nachgefragt wird. In Österreich soll der Kilopreis ab Juni im Handel um einen Euro steigen.

"Aus entwicklungspolitischer Sicht ist es zu begrüßen, wenn die Kaffeepreise steigen", sagt Gerd Fleischer von der deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) zur "Presse". Zwar sichern sich Händler und Röstereien den Löwenanteil an den Mehreinnahmen. Doch auch der Verdienst der Kaffeebauern sollte steigen, meint Fleischer.

Das GTZ erarbeitet in Zusammenarbeit mit den großen Kaffeekonzernen wie Nestlé, Kraft Foods, Jacobs oder Sarah Lee einen Kaffee-Verhaltenskodex. In diesem "4C" genannten Programm werden soziale und ökologische Mindeststandards festgelegt - aber keine Mindestpreise, wie dies etwa die Fairtrade-Bewegung macht. "Wir sind nicht in der Lage, Mindestlöhne in Ländern wie Kolumbien oder Brasilien einzuführen", sagt Fleischer. Zudem seien Preiszuschläge oder Mindestpreise nicht sinnvoll: "Damit bewirkt man nur, dass mehr produziert wird."

Genau das sei derzeit das größte Problem für die Kaffeewirtschaft. Denn die hohen Preise würden nun viele Länder dazu verleiten, auch Kaffee anzubauen - in schlechter Qualität, unter Einsatz schädlicher Dünge- und Pflanzenschutzmittel. "Wenn die Bauern jetzt nicht in Qualität investieren, wird die nächste Krise in ein, zwei Jahren umso schlimmer als jene im Vorjahr", befürchtet Fleischer.

Barbara Studeny von Fairtrade Österreich sieht dies anders: "Der Vorteil unseres Mindestpreises ist, dass die Kleinbauern Gewissheit über ihre Einkünfte haben." Fairtrade zahlt unabhängig vom Marktpreis mindestens 121 US-Cent pro Pfund der Sorte Arabica. Steige der Preis dieser Sorte (derzeit rund 130 US-Cent), so bekämen die Bauern einen Aufschlag. In Österreich wurden mit Fairtrade-Kaffee zuletzt 5,8 Mill. Euro umgesetzt. Das sind 2,3 Prozent des Gesamtmarktes für Kaffee.

Für die Cafetiers sei der "Preisplafond" mit 20 Euro je Kilo Röstkaffee erreicht, sagt Attila Kamarad, Obmann der Wiener Kaffeehäuser. Er hofft, dass nun das Qualitätsbewusstsein für das als Massenware empfundene Getränke steigt.


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