Chemie. Der Umbau ist abgeschlossen, die Pharmasparte steht aber vor schweren Zeiten.
Leverkusen. Nach drei schweren Jahren hat der deutsche Chemie- und Pharmakonzern Bayer den Turnaround geschafft. Nach einem Verlust von 1,36 Mrd. Euro im Jahr 2003 wurde im Vorjahr ein Gewinn von 603 Mill. Euro geschrieben. Verantwortlich dafür war zum einen, dass 2003 sehr hohe Wertberichtigungen durchgeführt wurden, zum anderen verbesserte sich 2004 das Industriegeschäft und die Pflanzenschutzmittel-Sparte. "Dank der guten Konjunktur in Nordamerika und Asien", wie Bayer-Chef Werner Wenning bei der Bilanzpressekonferenz am Dienstag in Leverkusen meinte.
In Bereich Pflanzenschutzmittel ist Bayer nun mit einem Umsatz von 5,9 Mrd. Euro Weltmarktführer. Der Konzernumbau sei "grundsätzlich abgeschlossen", sagte Wenning. Wie berichtet, wurde Bayer in drei Sparten (Gesundheit, Materialien, Pflanzenschutz) aufgespalten, der Großteil des Chemiegeschäfts wurde zudem unter dem Namen Lanxess an die Börse gebracht - Bayer will längerfristig keine Beteiligung daran halten.
Ganz abgeschlossen ist der Umbau aber noch nicht, die Zukunft der Pharmasparte ist ziemlich ungewiss. Der Patentablauf des Antibiotikums Cipro hat dem Konzern hohe Umsatzausfälle beschert, Bayer hat nun keinen "Blockbuster" (mit mehr als einer Mrd. Dollar Jahresumsatz) mehr.
Auch das Potenzmittel Levitra - Bayers Antwort auf Viagra - läuft nicht so, wie es soll. Geplant ist eine millionenschwere Marketingoffensive, um den Umsatz von derzeit 200 Mill. Euro auf eine Mrd. Euro zu heben. Noch schreibt das Mittel keine Gewinne. Das Hauptproblem ist aber, dass die "Pipeline" an neuen Medikamenten sehr dünn ist. Sie beruht auf nur zwei Hoffnungsträgern: einem Krebs-Mittel und einem Präparat gegen Thrombosen. Beobachter meinen, dass von der Entwicklung dieser beiden Medikamente die Zukunft der gesamten Pharmasparte abhängt.
Wenning selbst sprach davon, dass "Portfolio-Anpassungen zum Tagesgeschäft" gehörten. Offiziell ist man nicht auf Partnersuche: "Ich glaube, dass wir auch in Zukunft an unsere früheren Erfolge anschließen können", sagte Weninng demonstrativ optimistisch. Hinter den Kulissen ist aber anderes zu hören. "Wir machen mit Pharma weiter, solange es geht", zitierte etwa die Financial Times einen Aufsichtsrat. Dass die Pharmasparte laut Insidern keinen allzu hohen Marktwert haben dürfte, gilt freilich nur für rezeptpflichtige Medikamente und nicht für den Bereich der verschreibungsfreien Mittel.
Der vor 106 Jahren erfundene Dauerbrenner Aspirin setzte zuletzt 615 Mill. Euro um - Tendenz steigend. Noch höher ist der Umsatz des Vitaminpräparats Supradyn, das im Vorjahr von Roche übernommen wurde. Das mitgekaufte Aspro muss Bayer auf Anordnung der Kartellbehörde wieder abstoßen.
Bayer hat im Vorjahr mit weltweit 113.000 Mitarbeitern 29,76 Mrd. Euro (plus 4,2 Prozent) umgesetzt. Für heuer erwartet der Konzern ein Umsatzplus um fünf Prozent und eine Verbesserung des operativen Ergebnisses um ein Fünftel. In Österreich setzte Bayer 2004 mit 168 Mitarbeitern 230,6 Mill. Euro um. Der Medikamenten-Umsatz konnte - deutlich über dem Branchenschnitt - um sechs Prozent gesteigert werden.