Tourismus: "Reisebüros könnten 30 Prozent Kosten sparen"

Unternehmensberater legen der Branche den Rotstift in die Hand. Das stößt nicht nur auf Gegenliebe.

WIEN. Wenn heimische Tourismusleute über die Probleme ihrer Zunft sprechen, dann sind diese meist rasch aufgezählt: Schlechtes Wetter, Terrorangst, Naturkatastrophen und die schwache Konjunktur in Deutschland. "Diese Schlagworte fallen wie das Amen im Gebet", erzählt Stefan Höffinger, Tourismus-Experte bei der Unternehmensberatung A.T. Kearney. Höffinger hat die Branche genau unter die Lupe genommen. Sein Resume: "Die in den vergangenen Jahrzehnten so erfolgs- und wachstumsverwöhnte Branche hat ein Kostenproblem. In vielen Unternehmen könnten die Kosten um 30 Prozent gesenkt werden." Kostensenkung und Effizienzsteigerung seien das Gebot der Stunde, meint Höffinger.

Die Botschaft wird vom Obmann des Fachverbandes der Reisebüros in der Wirtschaftskammer mit ein wenig Amusement vernommen. "Wir müssten schon alle weg sein", sagt Edward Gordon. Seit Jahren bliebe die Zahl der Angestellten in den Reisebüros jedoch konstant bei etwa 10.000 Mitarbeitern. Auch die Reisebüro-Filialen werden nicht weniger. "2300 sind es in Österreich", sagt Gordon. Gegen vermeintliche Unkenrufe ist er resistent. "Wie das Internet gekommen ist, hat man uns noch drei Jahre gegeben", sagt der Fachverbands-Obmann.

Im Vergleich zu anderen Branchen sind die Zuwächse im Tourismus freilich überdurchschnittlich. Das belegt auch die Einkommensentwicklung in Österreich. Laut Statistik Austria geben die Österreicher jedes Jahr um knapp vier Prozent mehr Geld für Freizeit, Unterhaltung und Gastronomie aus. Und das, obwohl das durchschnittliche Einkommen jährlich "nur" um 3,25 Prozent steigt. Gespart wird bei Nahrungsmitteln und bei Bekleidung.

Trotzdem werde sich das Reisebüro der Zukunft vom reinen Urlaubs-Vermittler hin zum persönlichen Reise-Manager entwickeln müssen, meint Höffinger. "Die Reisen von der Stange wird man im Supermarkt oder bei den großen Ketten buchen, die maßgeschneiderte Ware wird man sich im Reisebüro anfertigen lassen", sagt Höffinger. Und der Weg ist längst nicht mehr das Ziel. "Früher wurde Fernreisen mit luxuriös gleichgesetzt. Heute ist der Prestige-Aspekt des Reisens nicht mehr mit den zurückgelegten Kilometern verknüpft." Nicht die Destination, sondern das Erlebnis werde verkauft. Ein Wellness-Urlaub in einem Top-Hotel im Waldviertel kann also mehr Luxus sein als ein Trip in die Karibik.

Für Gordon gelten derartige Prognosen für "Millionenstädte", aber nicht für das Reisebüro am Land oder an der Peripherie. "Hier geht man ins selbe Reisebüro, in das auch der Nachbar geht", sagt Gordon. Stammkunden spielen noch immer eine große Rolle. Gordon lässt sich von Prognosen nicht nervös machen. Er hat seine eigene Prognose: "Alles bleibt gleich", sagt er.

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