Der neue Siemens-Boss: Brigitte Ederer

Nachfolge. Die frühere SPÖ-Politikerin folgt am 13. Dezember Albert Hochleitner an die Spitze des Elektro-Multis.

wien. Eine der mächtigsten Positionen in der österreichischen Wirtschaft ist neu besetzt: Der neue Siemens-Österreich-Boss ist eine Frau und heißt Brigitte Ederer. Dies hat der Aufsichtsrat des Elektro- und Elektronikkonzerns am Donnerstag in Weimar beschlossen. Ederer folgt Albert Hochleitner nach.

Damit ist auch das Rätselraten in der heimischen Industrielandschaft zu Ende, ob Hochleitners Vertrag, der zu Jahresende ausläuft, noch einmal um wenigstens ein bis zwei Jahre verlängert wird.

Ederer steht ab 13. Dezember an der Spitze eines Mega-Unternehmens. Siemens-Österreich hat auch die Verantwortung für die Länder Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, Rumänien, Serbien und Montenegro, die Slowakei und Slowenien und ist mit rund vier Mrd. Euro Umsatz und 18.000 Mitarbeitern einer der größten Arbeitgeber dieser Region. Nach der von Hochleitner eingefädelten Übernahme der VA Tech wird sich die Position des Konzerns noch deutlich vergrößern: Dann hat die Gruppe acht Mrd. Euro Umsatz und 34.000 Beschäftigte.

Die Eingliederung des Linzer Anlagenbauers wird die erste große Aufgabe für ehemalige Europa-Staatssekretärin und SP-Finanzstadträtin in Wien, die 2001 in den Siemens-Vorstand geholt wurde. Denn die rund eine Mrd. Euro schwere Übernahme ist ein harter Brocken. Zum einen hat die EU-Wettbewerbsbehörde noch ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Zum anderen gilt es, die VA-Tech-Sparten so effizient wie möglich in das Siemens-Imperium einzugliedern und möglichst große Synergieeffekte zu lukrieren.

Die Entscheidung der EU wird zwischen 13. und 20. Juli erwartet - die Brüsseler Kartellwächter haben aber bereits signalisiert, dass sie in einigen Sparten eine Marktdominanz orten. Die wesentliche Hürde für die Übernahme war von Anfang an die Sparte Wasserkraft (VA Tech Hydro), weshalb Siemens den Verkauf angeboten hat. Dazu gehören nicht nur die Turbinen und Generatoren für Wasserkraftwerke, sondern auch die Gaskombi-Kraftwerke zur Energieerzeugung). Die VA Tech hat in diesem Segment, das mit 3000 Beschäftigten 900 Mill. Euro umsetzt, mit dem Siemens-Konkurrenten General Electric eine Kooperation. Der ursprüngliche Plan von Siemens, die Sparte Hydro in das bestehende Joint Venture mit Voith einzubringen und so zu behalten, dürfte in Brüssel nicht goutiert worden sein.

Betroffen von einem Verkauf ist vor allem der Standort Weiz in der Steiermark. Als Interessenten kamen der Industrielle Mirko Kovats sowie ein Konsortium rund um KTM-Eigentümer Stefan Pierer und den ehemaligen steirischen Wirtschaftslandesrat Herbert Paierl (jetzt bei Magna) ins Spiel.

Das jüngste Gerücht: Siemens habe Plan B eingeleitet und sich bereits mit Partner Voith über einen Verkauf der Hydro an den deutschen Maschinenbau-Konzern geeinigt.

Die studierte Volkswirtschafterin Ederer muss aber nicht nur einen massiven Zuwachs im Geschäft verarbeiten. Durch den Verkauf der Siemens-Handysparte an den taiwanesischen Konzern BenQ verliert Österreich wohl nur 35 Beschäftigte, allerdings gut 180 Mill. Euro Umsatz. Denn Österreich war auch bei den Handys für den gesamten Vertrieb für die sieben osteuropäischen Staaten zuständig.

Ederers Bestellung ist nicht die einzige Neuerung im Siemens-Vorstand. Alfred Ötsch zieht in die Chefetage ein. Er ist bei Siemens kein Unbekannter. Der 52-jährige Niederösterreicher begann bereits 1978 nach dem Wirtschaftsstudium seine Berufslaufbahn bei Siemens-Österreich. Er war unter anderem Vorstands-Assistent und stieg nach einem Intermezzo in der Konzernzentrale in München zum Finanzvorstand auf. Im November 2001 übersiedelte der begeisterte Skifahrer ins Alpenvorland. Er wurde Vorstand des Siemens-Bereichs Automation und Drives in Nürnberg.

Ötsch wurde lange Zeit als Kronprinz von Hochleitner gehandelt. Er gilt nicht nur als exzellenter Finanzfachmann, er war Hochleitner bei dessen Expansionsplänen ein loyaler und idealer Partner. Nicht umsonst sprach der pensionierte Siemens-Boss Heinrich von Pierer von seiner Österreich-Niederlassung immer als "Perle".

"Ederer hat schon bisher in ihrer politischen und wirtschaftlichen Karriere bewiesen, dass sie mit großem Engagement und Kompetenz agiert und dabei vieles bewegen konnte."

Bundeskanzler Wolfgang Schüssel

Das Engagement Ederers gilt nicht nur in Industriekreisen als Sensation. Denn erst jeder zehnte Spitzenjob ist in Österreichs Wirtschaft in Frauenhand. Vorreiterin ist sicher Maria Schaumayer, die lange an der Spitze der Notenbank stand.

Einige Beispiele: Bei Wüstenrot regiert Susanne Riess-Passer, ebenfalls eine Managerin mit Polit-Vorleben. Bei Großbanken sind es Regina Prehofer (BA-CA) und Elisabeth Bleyleben-Koren (Erste Bank), in der Uniqa-Versicherungsgruppe ist Elisabeth Stadler im Vorstand. In einem der höchsten Notenbank-Jobs in Europa amtiert eine Österreicherin, Gertrude Tumpel-Gugerell.

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