Geteilte Welt, geteilte Museen, Prophetenhaar und Akakiko.
Eine Linie
„United Nations Buffer Zone in Cyprus“: Seit dem Berliner Mauerfall ist Nikosia die einzige geteilte Hauptstadt der Welt. Die Grüne Linie (seit 1964) erstreckt sich 180 Kilometer über die Insel und schneidet durch die Altstadt von Nikosia. So entsteht ein griechischer Südteil und ein türkischer Nordteil. Erst nach der türkischen Invasion 1974 wurde die Trennlinie zur Grenze. Seit 2008 ist der berühmte Checkpoint auf Ledra Street passierbar. Seit 2011 campten Zyprioten beider Seiten („Occupy Buffer Zone“), die eine Wiedervereinigung forderten, in der exterritorialen Zone am Übergang. Am 6. April dieses Jahres wurde das „No borders camp“ gewaltsam geräumt, die Aktivitäten gehen (wöchentlich) weiter.
Ein Hochhaus
Ledra Museum & Observatory (Ledra street, Shacolas Tower): Nikosia ist keine Stadt der Hochhäuser, aber dieses lohnt sich. Steht es doch überraschenderweise in der Altstadt, das heißt, man kann sich die lokale Weltpolitik ebenso wie die mittelalterliche Stadt von oben ansehen. Im elften Stock (von zwölf) ist das „Museum“ mit historischen Bildern der Stadt. Aufschlussreicher sind die Fernrohre. Außerdem gibt es ein kleines Café.
Zwei Seiten
National Struggle Museum (Südteil, Kiniras 7) und Barbarei-Museum (Nordteil, nahe Atatürk-Platz): Der griechische Südteil hat 221.000, der türkische Nordteil 55.000 Einwohner. De facto ist jedoch nur der Süden der Stadt EU-Mitglied; der Norden wird von der Türkei und dem Aserbaidschan anerkannt. Beide Seiten haben ihre eigenen Museen für Ereignisse der jüngeren Geschichte. In dem (türkischen) der Barbarei stehen die Verbrechen der griechischen EOKA-Guerillas im Zentrum (1963), im Struggle-Museum betrachtet man den griechischen Freiheitskampf durch die rosa Brille. Unbedingt beide besuchen, sonst bleibt das Nikosiabild unausgewogen!
Ein Name
Nikosia hieß es seit den Tempelrittern, Lefkosia bzw. Lefkos¸a („weiße Stadt“) ist der lokale Name; Etymologen vertreten die Theorie, Nikosia sei eine Fehlaussprache.
Eine Haarsträhne
In der Arabahmet-Moschee wird ein Schopf von Mohammed aufbewahrt. Der Prophet erscheint in Quellen (wie Jesus) als „Mann mit schulterlangem Haar“.
Eine Verirrung
Nikosia hat ein österreichisches Akakiko (9a Makariou Avenue), Japaner lachen auch hier über den für sie unjapanischen Namen.
Ein Benzinbruder
The Cyprus Classic Motorcycle Museum (44 Granikou Str.) mit über 150 (meist britischen) Motorrädern aus 1914–1983.
Weitere Kolumnen auch auf: www.amanshauser.at