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ifo-Chef Sinn: "Müssen Euro-Raum gesundschrumpfen"

ifoChef Sinn Muessen EuroRaum
REUTERS/Michaela Rehle
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Ein Euro-Crash hätte "verheerende" Folgen, sagt der Starökonom. Um die Euro-Zone zu retten, müssten Griechenland und Portugal austreten.

Starökonom Hans-Werner Sinn, Chef des deutschen ifo-Instituts, warnt vor einem Euro-Crash. Dieser hätte "verheerende" Auswirkungen auf alle Beteiligen, sagt er im Gespräch mit "Focus Online". Die europäische Gemeinschaftswährung könne aber nur überleben, "wenn wir den Euro-Raum gesundschrumpfen". Sinn plädiert deshalb dafür, dass Griechenland und Portugal austreten: Die Länder seinen viel zu teuer und müssten durch eine starke Abwertung wieder wettbewerbsfähig gemacht werden. Die Preise müssten um mehr als 30 Prozent sinken, "das geht im Euro aber nicht", sagt Sinn. Auch den Verbleib von Malta und Zypern in der Euro-Zone stellt er in Frage.

Spanien und Frankreich sollen Löhne senken

Länder wie Spanien oder Italien sollten seiner Meinung nach in der Euro-Zone bleiben, müssten aber durch Lohnkürzungen intern abwerten. "Spanien und Frankreich müssten ihre Preise um 20 Prozent senken. Italien braucht eine 'Abwertung' um zehn bis 15 Prozent. Die drei könnten es schaffen, so wie Irland es geschafft hat", sagt Sinn.

In der spanischen Bankenkrise schlägt er vor, dass alle Gläubiger auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten. Das würde zwar viele Anleger treffen, sei aber immer noch besser, als Dritte zu belasten - "nämlich deutsche Steuerzahler". Diese seien ohnehin schon viel zu stark belastet worden: "Die Grenze des Tragbaren ist für meine Verhältnisse schon längst überschritten", sagt Sinn.

"Man wird so lange auf Frau Merkel eindreschen, bis sie ja zu Euro-Bonds sagt."

Hans-Werner Sinn

Die Finanzmärkte machen dem Ökonom zufolge extrem starken Druck und würden sich dazu sogar der Politik bedienen: "Man wird so lange auf Frau Merkel eindreschen, bis sie ja zu Euro-Bonds und einer Vergemeinschaftung von toxischen Papieren der südlichen Länder sagt." Die deutsche Kanzlerin zählt zu den Gegnern der gemeinsamen Staatsanleihen und hat ihre Ablehnung erst vor kurzem bekräftigt (mehr dazu ...).

"Paris hat Euro mit der Brechstange durchgesetzt"

Scharfe Kritik übt Sinn an Frankreich: Paris habe den Euro "mit der Brechstange" durchgesetzt, um niedrige Zinsen für Staatsanleihen zu bekommen. Nun habe das Land "den Schlamassel zu verantworten, den wir heute haben". Dennoch zählt sich Sinn selbst immer noch zu den Befürwortern der Gemeinschaftswährung. Der Euro würde  den Handel in Europa beflügeln und gehöre zu einem einheitlichen Wirtschaftsraum. "Ich bin immer noch dafür, doch bin ich nicht mehr ganz so euphorisch".

"Renovieren Sie Ihr Bad, kaufen Sie sich eine Eigentumswohnung oder ein Grundstück."

Hans-Werner Sinn

Privatanlegern rät der Wirtschaftsforscher, ihr Geld jetzt in reale Werte zu investieren: "Renovieren Sie Ihr Bad, kaufen Sie sich eine Eigentumswohnung oder ein Grundstück." Sparer würden so oder so große Verluste hinnehmen müssen: "Wenn die Krisenländer im Euro-Raum bleiben und wir nichts geben, verlieren sie ihr Geld durch Staatspleiten. Wenn die Länder im Euro-Raum bleiben und wir sie finanzieren, dann verlieren die Anleger ihr Geld, weil die Staaten Vermögenssteuern einführen werden, um die Transfers zu bezahlen. Wenn die Krisenländer austreten, werden sie ihre Schulden in die neue Währung überführen und abwerten. Auch dann verlieren die Anleger einen Teil ihres Geldes."

(Red.)