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Der Euro als neuer Goldstandard für Europa

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Die Währungsunion funktioniert, sagt der Ökonom Huerta de Soto: Der Euro diszipliniere die Politik wie einst der Goldstandard. Die EZB müsse zwar vorsichtig sein, eine politische Union sei aber unnötig.

Wien. Wer hätte das gedacht: Alles, was es brauchte, war eine globale Finanzkrise und plötzlich interessieren sich große Teile der Intelligenzija für das Geldsystem – ein Thema, so spröde wie Diamanten. Plötzlich hat jeder eine Meinung, je nachdem, welche Denkschule er am besten findet: Bewusst oder unterbewusst linkslastige entscheiden sich für den keynesianischen Inflationismus oder gar für eine der neuartigen brutalosozialistischen „Ideen“, die dunklen Internetwinkeln entsprungen sind. Demgegenüber steht die vor der Krise völlig vergessene „Österreichische Schule“, deren bekannteste Vertreter Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek waren.

Die „Österreicher“ gelten als Verfechter des klassischen Goldstandards, in dem Papiergeld zu einem fixen Kurs an Gold gebunden ist und verachten ungedecktes Papiergeld und die Inflation, weil sie zulasten der Massen geht. Der Euro hatte es bei den „Österreichern“ nie leicht. Bis jetzt, da der spanische Ökonom Jesus Huerta de Soto, der als begnadeter Geldtheoretiker gilt, die „Austrian“-Szene geradezu geschockt hat – mit einem Aufsatz, den er „Die Verteidigung des Euro“ nennt.

 

Ein wünschenswertes „Korsett“

De Sotos Argument ist relativ simpel: Der Euro funktioniere sehr ähnlich wie der klassische Goldstandard. Und dies sei auch der Grund, warum keynesianische Galionsfiguren wie Paul Krugman ihn hassen und sich das Ende des Euro mit einer ähnlichen Intensität herbeiwünschen wie weiland Lord Keynes das Ende des Goldstandards bejubelt hat. Denn, so de Soto, der Euro hat den „monetären Nationalismus“ (zumindest in Europa) ein für alle mal beendet. Heißt: Die nationalstaatlichen Politiker haben keinen Zugriff mehr auf die Notenpresse der Zentralbank – sie können ihre Programme nicht mehr via Inflation finanzieren – so wie sie es auch in einem Goldstandard nicht könnten, weil das Papiergeld an Gold gebunden wäre.

Dieses „Korsett“ wird zwar beklagt, ist aber tatsächlich heilsam für aufgeblasene Staatshaushalte und überschuldete Länder. Denn, so de Soto: „Es ist notwendig festzustellen, dass es viel schwieriger ist, den Euro zu verlassen, als es seinerzeit das Verlassen des Goldstandards war.“ So würden die Griechen eine neue Drachme einfach nicht akzeptieren und weiter den Euro nutzen. De Soto übt aber auch herbe Kritik an der Krisenpolitik der EZB und mahnt die Notenbanker, ihr Mandat nicht weiter zu dehnen und zu brechen. Durch billiges Geld aus Frankfurt würde der positive Charakter des Euro, also die Disziplinierung der Politik, nur suspendiert.

Allerdings: „Im Gegensatz zu dem, was mit Dollar und Pfund geschieht, können glücklicherweise in der Eurozone Geldinjektionen nicht mit der gleichen Leichtigkeit vorgenommen werden. Auch kann ein Haushaltschaos nicht unbegrenzt derart ungestraft aufrechterhalten werden“, schreibt de Soto. Die europäische Krisenpolitik sei deshalb nachhaltiger und weitsichtiger als die der angelsächsischen Welt, weil Hilfsgelder nur gegen Reformen ausgezahlt werden und Deutschland sich weiterhin gegen „törichte Vorschläge wie Eurobonds“ stellt. „In jedem Fall ist es wichtig anzuerkennen, dass wir uns an einem historischen Punkt befinden. Vom Überleben des Euro hängt es ab, ob ganz Europa die traditionelle germanische Geldstabilität verinnerlicht und sich zu eigen macht. Aus internationaler Sicht werden das Überleben und die Konsolidierung des Euro zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg ermöglichen, dass eine Währung entsteht, die effektiv mit dem Dollarmonopol als Weltreservewährung konkurrieren kann und daher die Fähigkeit Nordamerikas diszipliniert, systemische Finanzkrisen anzustoßen.“

 

Der Euro braucht die politische Union nicht

Den Bestrebungen in Richtung einer politischen Union und „Vereinigten Staaten von Europa“ erteilt der Ökonom eine klare Absage: Der Mechanismus der Währungsunion garantiere bereits, dass Staaten langfristig zu einer soliden Haushaltspolitik gezwungen werden. Diejenigen, die eine komplette politische Union als einzige „Lösung“ propagieren, seien „Eurofanatiker, die sich immer an irgendeinen Vorwand hängen, mit dem sie eine größere Macht und einen Zentralismus zugunsten Brüssels rechtfertigen können“.

De Sotos Fazit: „Weil die Weltwirtschaft dies dringend benötigt, verdienen es Mises und Hayek endlich zu triumphieren – und der Euro (zumindest provisorisch, bis er definitiv durch einen Goldstandard abgelöst wird) verdient es zu überleben.“

Grafik: Die Presse

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2012)