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Biotechnologie: Im Labor die Natur verbessern

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In der Ausbildung wird Forschungsarbeit großgeschrieben, die Ergebnisse der Branche umfassen Antibiotika ebenso wie Biokunststoffe oder Naturkosmetik.

Gentechnisch hergestellte Impfstoffe und Antibiotika, gezüchtete Gewebezellen für Haut- und Knorpeltransplantationen oder neue Verfahren zur Bekämpfung verschiedener Krebserkrankungen – das Spektrum medizinisch-pharmazeutischer Biotechnologie ist breit gestreut. Vor allem bei Krankheiten, bei denen klassische Therapien und Medikamente keine oder nur begrenzte Erfolge erzielen, setzt diese interdisziplinäre Wissenschaft an. „Biotechnologie ist sehr forschungsintensiv. Im medizinisch-pharmazeutischen Bereich befasst sie sich meist mit Problemen, für die in der Medizin bisher keine Antworten gefunden wurden“, sagt Harald Hundsberger, Leiter des Studiengangs für „Medizinische und Pharmazeutische Biotechnologie“ an der IMC FH Krems.

Die Studierenden des als Bachelor und Master angebotenen Lehrgangs sind bereits früh in Forschungsaktivitäten eingebunden. Aktuell startet etwa ein Projekt, das sich mit einem neuen Ansatz zur Behandlung von Sepsis, der nach Herzinfarkt und Schlaganfall dritthäufigsten Todesursache in Österreich, befasst. Gemeinsam mit einem Pharmaunternehmen arbeiten die Studierenden an immunregulierenden Substanzen, um den lebensbedrohlichen Verlauf von Sepsis abzuwenden.

 

Umfangreiche Laborpraktika

Neben der Forschungsarbeit stehen naturwissenschaftliche, biomedizinische und technische Grundlagen sowie umfangreiche Laborpraktika und ein 22-wöchiges Berufspraktikum auf dem Lehrplan. „Eine weitere Ausbildungssäule ist Management. Dazu zählen Qualitäts- und Projektmanagement, aber auch interkulturelles Management, da Biotechnologen in einem sehr internationalen Arbeitsfeld tätig sind“, so Hundsberger.

 

Cluster in Wien

Diese Internationalität zeigt sich auch in der Unterrichtssprache Englisch. Die meisten Studierenden gehen im Lauf ihres Studiums für ein Praktikum oder ein Semester ins Ausland. Hundsberger: „In Europa gibt es einzelne Biotechnologie-Cluster, etwa das Dreiländereck Frankreich, Deutschland und Schweiz, in dem bis zu 300 Biotechnologiefirmen vertreten sind und ein reger Austausch zwischen Biotechnologen unterschiedlicher Nationen besteht. Aber auch Wien ist ein relativ großer Cluster, kleinere sind Linz, Salzburg und Innsbruck.“ Die Nachfrage an Biotechnologen in Österreich sei insbesondere bei produzierenden Betrieben groß, weshalb die meisten Studierenden für ihre längerfristige Berufstätigkeit wieder zurückkommen.

Schwierigkeiten, einen Job zu finden, haben sie nicht, meint Peter Krösl, Studiengangsleiter am FH Technikum Wien. Auch der Studiengang „Biomedical Engineering“ des Technikums legt Wert auf die Fachsprache Englisch. Neben einer breiten Basisausbildung wählen die Studierenden im Bachelor eine von vier Spezialisierungen, im Master kann zwischen den Schwerpunkten Medizintechnik und biomedizinische Informatik gewählt werden.

 

Praxisorientierte Ausbildung

„Einzigartig an unserem Studiengang ist der Fokus auf Tissue Engineering, das heißt Gewebszüchtung und -konstruktion durch Zellkultivierung. Gerade in diesem Bereich der Laborarbeit eignet man sich vieles über Learning by Doing an, weshalb die Ausbildung sehr praxisorientiert ist. Mathematik und theoretische Fächer kommen in geringerem Ausmaß vor“, so Krösl. Zusätzlich zur technischen, biomedizinischen und wirtschaftlich-rechtlichen Ausbildung wird auch Ethik behandelt.

Einen anderen Zugang zur Biotechnologie bietet die FH Wiener Neustadt auf dem Campus Tulln. Im Studiengang „Biotechnische Verfahren“ nehmen pharmazeutische Techniken nur einen geringen Stellenwert ein, die Schwerpunkte im Bachelor liegen vielmehr in der Lebensmitteluntersuchung, Naturkosmetik, bei Biokunststoffen und Fermentation, also der Umwandlung organischer Stoffe durch biologische Zellkulturen oder Enzyme. Kernkompetenzen, die vermittelt werden, sind aus dem Bereich analytischer und instrumenteller Chemie sowie der Molekularbiologie.

 

Flexible Einsatzgebiete

„Die erworbenen Tools können in der Biotechnologie sehr flexibel eingesetzt werden. Das reicht von der Nutzung von Pflanzenextrakten für Pharmazie und Kosmetik über ökotoxikologische Tests bis hin zur Produktion von Vitaminen für Nahrungsergänzungsmittel“, erklärt die Studiengangsleiterin Birgit Herbinger. Absolventen des breit angelegten Studiums werden etwa in der Lebensmittelindustrie, in regulatorischen Behörden, die sich mit Verunreinigungen von Lebens- und Futtermitteln befassen, oder im Bereich Umwelttechnik und -sanierung tätig. Die Unterrichtssprache ist Deutsch, einzelne Lehrveranstaltungen werden in Englisch angeboten.

Auf einen Blick

IMC FH Krems: Internationalität wird im Studiengang „Medizinische und Pharmazeutische Biotechnologie“ großgeschrieben: Mehr als 70 Prozent der Studierenden machen ein Auslandssemester oder -praktikum. www.fh-krems.ac.at

FH Technikum Wien: Als einer der ersten Anbieter legt die FH Technikum Wien im Studiengang „Biomedical Engineering“ den Schwerpunkt auf Tissue Engineering. www.technikum-wien.at

FH Wiener Neustadt, Campus Tulln: Das Bachelor- und das Masterstudium „Biotechnische Verfahren“ sind breit angelegt. www.tulln.fhwn.ac.at/

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2012)