In Wiener Neustadt fielen zwei Freibäder dem Sparstift zum Opfer. Das dritte war am Wochenende wegen eines Wettkampfs großteils gesperrt.
Sommer, Sonne, Sonnenschein - da gehört das Freibad mit dazu. Während sich Wiens städtische Freibäder am Sonntag mit mehr als 135.000 Besuchern über einen Besucherrekord freuen können, sieht die Lage im südlichen Niederösterreich etwas trister aus. Das Problem ist nicht die Nachfrage, sondern das Angebot: In Wiener Neustadt, mit rund 40.000 Einwohnern immerhin die elftgrößte Stadt Österreichs, mussten die vor allem bei der Jugend wegen Rutsche und Co beliebten Freibäder "Ungarbad" und "Volksbad" aufgrund der hohen Kosten 2007 bzw. 2010 geschlossen werden. Übrig bleibt das Akademiebad mit einem nicht allzu großen Familienbecken und einem 50-Meter-Schwimmbecken. Doch das einzige größere Freibad-Becken der Stadt war den ganzen Samstag und bis Sonntag zu Mittag Schauplatz der burgenländischen Schwimm-Landesmeisterschaften. Den 40.000 Einwohnern blieb also das kleine Familien-Becken über.
Gutes Wetter war "Pech"
"Die Veranstaltung war angemeldet, die gibt es seit ca. 20 Jahren", verteidigt Rainer Spenger, Sprecher des Bürgermeisters Bernhard Müller (SPÖ), die Situation vom Wochenende. Es sei Pech gewesen, dass es wegen des Wetters so einen Ansturm gegeben habe. Man werde mit den Veranstaltern reden, dass man den Wettbewerb auf Anfang Juni verschiebt. Das Becken im Akademiebad ist das einzige 50-Meter-Becken der Region und daher der einzig mögliche Austragungsort für Meisterschaften auf der Langbahn.
Die Stadt Wiener Neustadt hat einen Vertrag mit dem Heer abgeschlossen, dem das Bad eigentlich gehört. Die Stadt tritt als Betreiber auf und beteiligt sich an den Investitionskosten. Im Gegenzug für die Nutzung muss die Stadt dem Heer regelmäßig Bahnen im großen Becken für Trainings zur Verfügung stellen. Eine Situation die auch abseits von Wettkämpfen zu Platznot im großen Becken führt.
Die beiden alten Bäder mussten aus finanziellen Gründen geschlossen werden. Die Auslastung vor allem im Ungarbad sei zu gering und die damals anstehenden Investitionskosten zu hoch gewesen, als dass die Stadt diese beiden Freibäder halten hätte können. "Es gibt kaum eine Stadt in der Größenordnung, die drei Bäder hat", so Spenger.
"Armutszeugnis für eine Stadt dieser Größe"
"Man sieht, wohin das schlechte Wirtschaften der SPÖ geführt hat", kritisiert Philipp Gruber, Klubobmann der ÖVP Wiener Neustadt. "Es ist für eine Stadt dieser Größe ein Armutszeugnis, wenn an einem Wochenende wie diesem kein Freibad zur Verfügung steht." Der blaue Stadtrat Udo Landbauer stößt in dasselbe Horn: "Es war ein Fehler, dass man sich in diese Lage manövriert hat." Das alte Volksbad zu revitalisieren, darin sehen alle Oppositionsparteien keine Lösung. Die Grünen könnten sich vorstellen, die so genannte Achterlacke, einen Teich im Westen der Stadt, als Badeteich auszubauen. Derzeit ist dort das Baden wegen fehlender sanitärer Anlagen und Aufsicht verboten, erklärt die Fraktionvorsitzende der Grünen im Gemeinderat, Tanja Windbüchler-Souschill. Freibäder seien auch Sozial- und Jugendpolitik "und Wiener Neustadt schafft es nicht, die Infrastruktur einzurichten".
Hallenbad soll auch Freibad werden
Eine Alternative könnte ein Freibecken im städtischen Hallenbad "Aqua Nova" sein. Bis 2015 soll es eröffnet werden. Ein Beachvolleyball-Platz soll das Bad bereits in der näheren Zukunft für den Sommer aufwerten.
Bleibt den Wiener Neustädtern an Wochenenden wie diesen nur noch die Bäderflucht ins Umland. Das Strandbad am Neufelder See im nahegelegenen Burgenland war am Samstag mit 5400 Besuchern und am Sonntag mit 6900 Besuchern allerdings wie die meisten Bäder in Österreich an der Kapazitätsgrenze angelangt.