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Wien: 120 Polizisten mit Migrationshintergrund

Wien Polizisten Migrationshintergrund
polizei(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Die Zahl der Beamten mit ausländischen Wurzeln bei der Exekutive steigt. Laut einer Umfrage wünscht sich die Bevölkerung mehr Schulungen für Polizisten im Umgang mit Zuwanderern.

Wien/Stög. Es war im November 2007, als Wiens Landespolizeikommandant Karl Mahrer verkündete: In fünf Jahren soll in jeder Wiener Polizeiinspekion (derzeit gibt es rund 100, Anm.) ein Beamter mit Migrationshintergrund tätig sein. Gestern, Montag, erklärte Polizeipräsident Gerhard Pürstl anlässlich der Präsentation einer Umfrage zum Thema Polizei und Migration: „Wir haben derzeit 120 ausgebildete Beamte mit Migrationshintergrund aus 30 verschiedenen Staaten.“

Die meisten von ihnen kommen aus den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien, aus Rumänien, Bulgarien, einige auch aus der Türkei. In den vergangenen fünf Jahren habe es eine offensive Werbekampagne gegeben, um den Polizeidienst für junge Menschen mit ausländischen Wurzeln attraktiv zu machen, berichtete Pürstl. Leichtere Aufnahmetests für diese Zielgruppe gebe es natürlich nicht. Pürstl wünscht sich mehr solcher Bewerber. Denn es bestehe nach wie vor ein Abstand zwischen staatlichen Organisationen und Menschen mit Migrationshintergrund. „Diesen Abstand müssen wir noch verringern.“

 

Wiener wollen mehr Schulung

Wiens Polizeipräsident präsentierte gestern mit Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (VP) eine Umfrage, in der erhoben wurde, wie die Bevölkerung den Umgang der Polizei mit Migranten wahrnimmt. Dabei sticht heraus, dass die Wahrnehmung in Wien eine andere ist, als jene in Rest-Österreich. Das sei, so Marc Bittner von der Sozialwissenschaftlichen Studiengesellschaft, auch darauf zurückzuführen, dass Wiener öfter mit Migranten zu tun haben als Menschen in den Bundesländern. So meinten österreichweit 68 Prozent, spezielle Schulungen für Polizisten zum Umgang mit anderen Kulturen wären sinnvoll, in Wien hingegen votierten 81 Prozent dafür. 78 Prozent der Wiener Befragten meinten außerdem, es sollte mehr Beamte mit Migrationshintergrund im Polizeidienst geben. Auf die Frage, zu welchen Migranten die Polizei eine besonders positive Einstellung habe, meinten die meisten, zu jenen aus dem „ostasiatischen Raum“ sowie zu jenen, die aus den „östlichen Nachbarstaaten“ kommen. Am schlechtesten wird die Einstellung der Polizei gegenüber Personen aus „Afrika“ bewertet.

Allgemein hielten nur 62 Prozent der Wiener Befragten die Maßnahmen zur Integration für Zuwanderer für ausreichend. Im übrigen Österreich waren es 80 Prozent.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.07.2012)