Probeliegen im Sarg, rumänische Kochkunst und eine Warnung.
Ein Restaurant
Liviu’s Vorstadtbeisl (17, Hernalser Hauptstraße 35): Früher hieß es Anaconda, Schwerpunkt rumänische Küche. Doch niemand wollte die großartige Ciorba haben. Seitdem durchlief dieser Ort mehrere verzweifelte Klein-Relaunches. Leider spricht vieles gegen Liviu: Unvermittelbares Lokal (Publikum: lokale Alkoholiker; Nichtraucherbereich im Totenhallenstil), absolut gourmetkritikerfrei. Nur ist das Essen einfach wunderbar. Fleisch, Fisch, Salat, alles frisch und im Idealzustand. Nämlich wirklich alles. Denn Liviu kann so richtig kochen!
Ein Museum
Bestattungsmuseum (4, Goldegg-Gasse 4; Voranmeldung): „In Wien lebt man besser auf dem Friedhof als im wirklichen Leben – das ist die Philosophie der Stadt!“ Der witzige Kurator Wittigo Keller führt durch diesen zutiefst wienerischen Ort. Von der „Schönen Leich“ über die schwarze Leichenstraßenbahn bis zum Herzstich gegen Scheintod (wird noch immer gelegentlich nachgefragt) gibt es hier alles. Auch Wissen: Das Aschengewicht eines Menschen entspricht ungefähr dem Geburtsgewicht. In der Nacht der Museen darf man hier sogar Sarg-Probeliegen.
Eine Buchhandlung
Buchkontor (15, Kriemhildplatz 1, www.buchkontor.at): Sicher die netteste Buchhandlung im 15. Bezirk – sonst gibt es ja keine. Vielleicht sogar die netteste Wiens? Liegt hinter der Stadthalle im Nibelungenviertel nördlich. Besitzerin Ulla Harms lädt gerne Autorinnen und Autoren ein, um mit Lesungen etwas Leben in dieses verträumte Quartier zu bringen. Nebenbei ist sie Verlagschefin, hat der uralten „Perlen Reihe“ (www.perlen-reihe.at) neues Leben eingehaucht: Lebenshilfe-Bücher, Kinderspiele, der beste Wiener Jogging-Guide, Tarock-, Bridge- und Patiencen-Handbücher.
Ein Eisenwarengeschäft
Der Petzold (Neubaugasse, seit 1825) ist europaweit einzigartig. Jede Schraube, jeder Nagel im Einzelverkauf, sämtliche Künstler-Materialien, Metalle, Werkzeuge, Großlieferung.
Eine Delikatessen-Fabrik
Bester Ort für Essig- oder Senfgurken ist der Staud am Yppenplatz; Vorsicht, absurde Öffnungszeiten.
Ein Friedhof
Der Jüdische Friedhof Seegasse, im Garten eines Pensionistenheims, überstand die Nazi-Zeit, weil 280 Grabtafeln abgebaut und am Zentralfriedhof versteckt wurden.
Eine Warnung
Der Niedergang des Naschmarkts: Gastronomieblase, Wasabinüsse, Riechseifen, Souvenirs, Eso-Edelsteine – für Touristen gut, für Einheimische inzwischen ziemlich überflüssig.
Weitere Kolumnen auch auf: www.amanshauser.at