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Geschmacksfrage: Medusa

Eine slowakische Restaurantkette hat in Wien an prominenter Adresse eine Filiale eröffnet. Eine Reisewarnung.

Es ist sicher nur eine böse Unterstellung, dass erfolgreiche Osteuropäer ihr Geld gern zur Schau stellen, dabei vor allem klotzen und nicht kleckern. Und dass „subtil“ auch in den Küchen weiter östlich ein Fremdwort sei. Politisch korrekte Restaurantkritiker tun sich jedenfalls schwer, das eben in Wien eröffnete Lokal namens „Medusa“ zu kritisieren, wird es doch von einer slowakischen Restaurantkette betrieben. Da heißt es dann: frischer Wind aus dem Osten für das biedere Wien oder dass das dreistöckige Lokal immerhin den Nerv beim touristischen Publikum treffe. Wobei: Das stimmt, den Nerv trifft es auch bei mir. Es attackiert meinen Geschmacksnerv nachhaltig.

Die Eröffnung der geschmacklos, aber doch neureich eingerichteten Lounge-Bude auf drei Stockwerken wurde in Wien breit kommuniziert, sogar auf City-Lights beworben. Der Garten am Neuen Markt ist groß, protzig, aber nicht ungemütlich. Man bestellt hier passend entweder Aperol oder dickflüssige Cocktails, die mit den klassischen Drinks nicht viel zu tun haben, aber dafür ganze Dörfer betrunken und satt machen würden. Die Kellner sind so freundlich, als kämen sie nicht aus Wien, aber die Speisenauswahl können sie auch nicht erklären.

(c) Hammerschmid

Wobei bei den zwei Dutzend Pasta- und
Risotto-Gerichten Unterhaltung wartet: Da wird etwa eine Risotto-Variation „risi e bisi“, also Butterreis und Erbsen, angeboten. Es hat alles seine Grenzen, das teste ich nicht. Das Dorsch-Carpaccio mit Limettenöl, Passionsfruchtschaum und rotem Pfeffer schmeckt ein bisschen künstlich, aber noch recht harmlos. Auch der gegrillte Thunfisch im Sesammantel mit Papayasalat und Cashewnüssen ist noch panasiatische Meterware. Dann wird es aber heftig: Die Miesmuscheln im Knoblauch-Weißwein-Sud wurden zerkocht, schmecken nach fast nichts, außer nach ein bisschen abgestandenem Fischwasser. Vermutlich wurden deswegen ein paar Chiliringe dazugeschmuggelt. Aber es kommt noch härter: Die Entenbrust mit dickem Kartoffel-Apfel-Püree, Trauben, Walnüssen und Fisolen in Honig war laut Karte und Kellner angeblich auf dem Grill, ist aber kalt und zu 99 Prozent roh. Ein freundlicher Geschäftsführer sieht offenbar mein hellgrün blinkendes Gesicht und lädt mich als Entschädigung auf eine der Vorspeisen ein: „Ich weiß nicht, wie das passieren konnte.“ Medusa ist italienisch und heißt „Qualle“.

INFO

Medusa, Neuer Markt 8, 1010 Wien. Tel.: 0676 60 57 286, Mi–Sa 10–2, So–Di 10–1