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Alijew-Gelder für Medienquartier Neu Marx?

Archivbild; Was passiert in St. Marx? Bei der Neubesiedlung des ehemaligen Schlachthofgeländes sind noch einige Fragen offen.
Archivbild; Was passiert in St. Marx? Bei der Neubesiedlung des ehemaligen Schlachthofgeländes sind noch einige Fragen offen.(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)
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Flossen Gelder des unter Doppelmordverdacht stehenden Ex-Botschafters Rachat Alijew in die Errichtung des Medienquartiers Neu Marx? Dies soll nun der Staatsanwalt klären.

[WIEN] Die Anzeige umfasst sieben Seiten. Sie ergeht dieser Tage an die Staatsanwaltschaft Wien. Und zwar wegen des Verdachts der Geldwäscherei und der Bildung einer kriminellen Vereinigung. Neun Personen, teils aus dem Bereich der Stadt Wien, sind betroffen. Als „Anzeigerin" tritt die Wiener FPÖ auf. Kern der Vorwürfe: „Die Entwicklung des Media Quarter Marx mit überaus dubiosen Unternehmen und Geldgebern - allen voran dem Ex-Botschafter der Republik Kasachstan in Österreich Rakhat Shoraz (früherer Name: Alijew, Anm.) gegen den die Staatsanwaltschaft Wien wegen Mordes, Erpressung, Geldwäsche und Untreue ermittelt."

Es geht also um die 2007 begonnene Entwicklung jenes Medienzentrums, das auf den Gründen des Schlachthofs St. Marx (dritter Bezirk) errichtet wurde (Media Quarter Marx). Gesamtinvestitionsvolumen: 62 Millionen Euro. Mittlerweile seien schon 85 Prozent der gut 40.000 Quadratmeter Fläche vermietet, meldet die Wirtschaftsagentur Wien stolz.

Die Vorwürfe wegen möglicher Geldflüsse seitens des von Kasachstan gejagten, nun auf Malta lebenden Ex-Diplomaten Alijew beziehen sich auf eine bestimmte Firma. Nämlich auf die Media Quarter Marx Errichtungs- und Verwertungsgesellschaft mbH. Diese Gesellschaft ist als PPP-Modell (Public Private Partnership) aufgesetzt und bekam 40 Prozent ihrer Mittel, 4, 5 Millionen Euro, von öffentlicher Seite: von der Technologieagentur der Stadt Wien, der ZIT. 60 Prozent, 6,8 Millionen, kamen von der privaten VBM Beteiligungsmanagement GmbH. Macht insgesamt also 11,3 Millionen Euro. Mit diesem Eigenkapital begann 2007 - übrigens mit Starthilfe des Ex-Notenbankers Adolf Wala - die Entwicklung des Medienquartiers.

Spur des Geldes führt nach Malta

Die Frage, die nun für den Staatsanwalt interessant werden dürfte: Woher kamen die privaten Gelder? Folgt man der Strafanzeige, könnte es sich zum Teil um Alijew-Gelder gehandelt haben. Selbst einer der Wiener Anwälte von Alijew, Otto Dietrich, bestätigt so viel: „Es gab ein gemeinsames Projekt im Zusammenhang mit diesem Standort." Dieses „Projekt", Dietrich spricht auch von „Finanzierung", lief damals offenbar über die A. V. Maximus Holding AG. Aber, so Dietrich: Schon 2007 sei Alijew wieder aus der Sache ausgestiegen. Laut maltesischen Medienberichten führt die Spur des für die Entwicklung des Media Quarter gedachten Geldes nach Malta. Dort soll es im Einflussbereich der Frau von Alijew die A&P Power Ltd. geben. Ferner die A&P Power Holding Ltd. (Sitz in der Karibik). Erstere ist laut Firmenbuch Alleinaktionärin der A. V. Maximus.

Warum wäre es verwerflich, einen Ex-Botschafter als Ko-Financier an Bord zu haben? Ganz einfach: Zusätzlich zum Geldwäschevorwurf führt die Staatsanwaltschaft ein Verfahren wegen des Verdachts des Doppelmordes gegen den einst in Wien stationierten Diplomaten. Alijew soll - er bestreitet das - für die Ermordung zweier kasachischer Banker verantwortlich sein. Insofern will FPÖ-Wien-Klubchef Johann Gudenus mit der Anzeige „Licht ins Dunkel einer extrem merkwürdigen Konstellation" bringen.
Indessen sagt ZIT-Geschäftsführer Claus Hofer (auch er wurde angezeigt) zur „Presse": „Ich weiß nichts von Geldwäsche. Ich hab auch keinen Grund zu glauben, dass Alijew-Gelder in dem Projekt stecken." Ebendies wird nun auch von der Steuerberatungskanzlei Consultatio geprüft. Im Auftrag der Stadt Wien.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 6. Juli 2012)