Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Slowaken rebellieren gegen Vatikan

(c) AP (PLINIO LEPRI)
  • Drucken

Empörte Katholiken fordern von Rom eine Erklärung für die Absetzung ihres liberalen Bischofs. Robert Bezák war erst vor drei Jahren zum Erzbischof von Trnava bestellt worden.

Bratislava/Tha. Das gab es in der erzkatholischen Slowakei noch nie: Empört protestieren die Bürger gegen den Vatikan. Und das in einem Land, in dem selbst zu kommunistischen Zeiten das Wort des örtlichen Pfarrers mehr galt als das Diktat der Kommunisten im fernen Prag. Grund für die Wut: Erstmals wurde ein slowakischer Bischof seines Amtes enthoben. Und nicht irgendeiner: Robert Bezák war erst vor drei Jahren zum Erzbischof von Trnava, der historisch wichtigsten Diözese des Landes, bestellt worden.

 

Faschisten-Fans und KP-Spitzel

Der unkonventionelle Bezák machte sich sogleich daran, die nicht ganz lupenreine Buchführung seines Vorgängers untersuchen zu lassen. Und er prangerte öffentlich an, dass nicht nur sein Vorgänger Jan Sokol, sondern auch andere führende Geistliche in der Vergangenheit mit dem KP-Geheimdienst zusammengearbeitet hätten und den faschistischen Diktator Jozef Tiso verehrt hatten. Der Priester Tiso war 1939–1945 Diktator des NS-Vasallenstaates Slowakei. Während seiner Herrschaft wurden 70.000 Juden in deutsche KZ deportiert.

Bezáks Stil wurde von liberalen Katholiken begrüßt: Während sich die anderen Bischöfe einbunkerten, plauderte er am Rande eines Musikfestivals mit Journalisten und meinte, auch Jesus hätte gern an so einer Veranstaltung teilgenommen. Schließlich sei die Kirche mehr als prunkvolle Vatikangebäude und Papst und Priester, die am Zölibat festhalten.

Seine Absetzung erfolgte ganz im alten Stil: Eine Begründung gibt es nicht. Bezák darf weder mit Medien kommunizieren noch seine ehemalige Kirchenprovinz betreten. Nicht nur Künstler und Intellektuelle protestieren gegen den erzwungenen Rücktritt. Auch einfache Gläubige versammeln sich vor Kirchen mit Blumen und fordern eine Erklärung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.07.2012)