Schlechtwetter: Sommer-Depression im Tourismus

Der verregnete Ferienbeginn sorgt im Fremdenverkehr für lange Gesichter. Vor allem Badeurlauber verabschiedet sich aus Österreich.

WIEN. "Jahrzehntelang hat man den Gast auf Badeurlaub konditioniert, dabei hat Kärnten viel, viel mehr zu bieten", sagt Gernot Riedel, der neue Chef des Wörther-See-Tourismus. Aber wenn Regenwolken den Himmel über dem See verhängen, bleiben die Gäste aus. "Auch der Juni war alles andere als prickelnd", erzählt der Tourismus-Manager. Lange Gesichter am See.

Schon das traditionelle GTI-Treffen hat die Hoffnungen der Tourismuswirtschaft heuer nicht erfüllt. "Früher blieben die jungen Leute eine Woche, jetzt sind es nur noch drei Tage", erzählt Maria Mattl, Chefin des Velden-Tourismus. Der Sommer beginnt vor allem in den auf Badeurlaub spezialisierten Orten mit Gejammer.

Dabei werden die Urlauber auch diesen Sommer mehr Geld in Österreich lassen. Wifo-Experte Egon Smeral berechnete eine Umsatzsteigerung gegenüber dem Vorjahr von vier bis 4,5 Prozent. Freilich: Die Zahl der Nächtigungen wird stagnieren, wenn nicht sogar sinken. Aber die Touristen sind spendabel, steigen in besseren Hotels ab. "Die Sommersaison verschiebt sich immer mehr in die zweite Jahreshälfte", sagt Smeral. Und immer weniger Gäste suchen den Badeurlaub, immer mehr wollen Genuss-, Kultur- oder Gesundheitstourismus.

"Der Städte- und Kulturtourismus läuft hervorragend", sagt Tourismusgewerkschafter Rudolf Kaske. Alle anderen müssten halt auf den "Wettergott" hoffen, vor allem Kärnten, das ein typisches Sommer-Sonnen-Land sei.

"Reine Bade-Destinationen haben es schwer", weiß auch Johann Schenner, Obmann der Sparte Tourismus in der Wirtschaftskammer. Hart ins Gericht geht er mit der Kärnten Werbung. "Die gehört hinterfragt", sagt Schenner. Er kritisiert, dass die Werbestrategen im südlichsten Bundesland noch immer fast ausschließlich auf den Badeurlaub setzen.

"Man hat sich in der Vergangenheit stark auf unser natürliches Potenzial, die Seen, verlassen", sagt Riedel. Doch mittlerweile habe längst ein Umdenken stattgefunden. Eine Erkenntnis: "Wir müssen uns von der Zielgruppe der 16- bis 25-Jährigen - bis auf wenige Events - verabschieden", sagt Riedel. Diese Gruppe habe man ans Mittelmeer verloren. Riedel setzt vielmehr auf die Über-50-Jährigen. Was Kärnten dieser Tage schwer zu schaffen mache, sei auch die Gästestruktur. 85 Prozent der Urlauber kommen aus Österreich und Deutschland. "Die sind sehr Schlechtwetter-anfällig", sagt der Tourismus-Manger. "Die setzten sich gar nicht ins Auto, wenn sie wissen, dass es bei uns regnet." Mehr internationales Publikum müsse her.

Was bleibt, ist die Hoffnung auf einen guten August. Denn vom 23. Juli bis 20. August sind in Nordrhein-Westfalen, Baden-Würtenberg und Bayern Ferien.

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