Betriebe bleiben griechisch

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Die Regierung wollte Staatsbetriebe schneller verkaufen. Daraus dürfte aber nichts werden.

Athen/Reuters/Red. Die griechischen Staatsfinanzen sehen trotz milliardenschwerer Hilfszahlungen düster aus. Um den Saldo aufzupolieren, kündigte Griechenlands Regierungschef Antonis Samaras vor wenigen Tagen an, die Privatisierung von Staatsbetrieben voranzutreiben. Die Regierung wolle 28 Privatisierungen Priorität geben, darunter jenen der staatlichen Erdgas-, Wasser- und Wettgesellschaften, hieß es am Sonntag. Auf der Verkaufsliste stehen weiters Flughäfen, Jachthäfen sowie die staatliche Eisenbahn. Und auch die staatliche Elektrizitätsgesellschaft soll früher oder später in private Hände übergehen.

Nun sieht es aber aus, als würde es doch nicht so schnell gehen. Kostas Mitropoulos, Chef der griechischen Privatisierungsbehörde, sagte, dass 2012 lediglich der Verkauf der staatlichen Lotterie und eines Gebäudes in Athen abgeschlossen werde. Der Erdgaskonzern Depa, das Gasunternehmen Desfa, Hellenic Petroleum und der Wettanbieter Opap dürften frühestens im kommenden Jahr privatisiert werden. Der Grund dafür seien Verzögerungen in den Behörden. Laut Analysten könnte die Lotterie-Lizenz zwischen 400 und 600 Millionen Euro in die Staatskasse spülen. Die Regierung wollte aber durch Privatisierungen 3,2 Mrd. Euro einnehmen.

Der größte griechische Gewerkschaftsverband warnte unterdessen wiederholt vor einer „sozialen Explosion“. Die Arbeitslosenquote lag im April nämlich auf einem Rekordhoch von 22,5 Prozent, im Vorjahresvergleich waren es 16,2 Prozent. Arbeitslose bekommen in Griechenland nur ein Jahr lang Arbeitslosengeld, danach gibt es keine Unterstützung mehr.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.07.2012)