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Hotspot: Geheimnisvoller Hanslteich

Geheimnisvoller Hanslteich
Hanslteich(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Das Gasthaus steht seit vielen Jahren, plötzlich gilt der verschlafene Hanslteich in Neuwaldegg als Hotspot. So verwunschen wie der Teich, so geheimnisvoll gibt sich Neogastronomin Wlaschek.

Das alte Schild gibt es noch. Gasthaus Hanslteich. Bodenständige Küche, 100 Meter. Auch das alte Gebäude, lange Jahre Raststätte der Wienerwald-Wanderer, Radler und Kleingartenbesitzer, steht noch am verwunschenen Hernalser Hanslteich. Aber es wurde generalüberholt. Die neuen, jungen Betreiber sprechen nun von einem Lounge-Bereich, sie haben die Terrasse über dem Teich spartanisch asiatisch dekoriert und Möbel aus Tropenholz aufgestellt. Einfache Wiener Küche gibt es nicht mehr, Wanderer in Sportkleidung passen nicht mehr in die Gaststätte am Teich. Wer im „Klee am Hanslteich“ verkehrt, darauf weisen schon die Autos auf dem Parkplatz hin: SUVs, Porsches, teure Wagen, aus denen elegante Gäste in Abendkleidung steigen.

Rasant wurde das Klee zum Hotspot. Die Betreiber des Lokals haben schließlich beste Verbindungen in die Society und die Lokalszene der Innenstadt: Die neue Besitzerin entstammt einer der bekanntesten Familien Österreichs: Monika Wlaschek, die 27-jährige Enkelin des Billa-Gründers Karl Wlaschek. So verwunschen wie der Teich, so geheimnisumwoben gibt sich die WU-Studentin. Nie erreichbar, ein Gespräch? Lehnt sie ab. Kaum ein Bild von der blonden Frau ist bisher in den Medien aufgetaucht, von Society-Events hält sie sich fern. Aber auf Facebook zeigt sie Fotos: Vom Urlaub auf Ibiza, von einem Handy-Cover mit ihren Initialen in glitzernden Steinen.


Bloß kein Image der Erbin. Gastro-Erfahrung? „Sie möchte zu ihrer Person nichts sagen, sie möchte nicht im Vordergrund stehen“, sagt Werner Helnwein, ihr Lebensgefährte und der Geschäftsführer des Klee. Dafür bringt er Gastro-Erfahrung mit (Fabios, das Wallsé in New York).

Wlaschek scheint das Image der reichen Erbin vermeiden zu wollen. „Sie hilft, wo sie kann, vom Besteck polieren bis zu den wirtschaftlichen Angelegenheiten“, sagt Helnwein. „Sehr fleißig und engagiert“, heißt es an anderer Stelle über sie. Bodenständig und gemütlich soll das Klee sein, betont Wlaschek in ihrem einzigen Interview in „First“. „Schickimickis und Angeber wollen wir nicht.“

Das Klee bringt einen raschen Neubeginn für das verträumte Areal im Wienerwald. Laut wurde es um den Teich einzig 1999, als die damaligen VP-Granden, Wolfgang Schüssel an der Harmonika, Wilhelm Molterer an der Gitarre und Elisabeth Gehrer an der Querflöte, den Hanslteich wählten, um ihr Volksliederbuch vorzustellen – und sich jede Menge Spott abholten.


Schickeria statt Kleingärtner.
Abgesehen davon war das alte Gasthaus, wenige hundert Meter neben der stark befahrenen Neuwaldegger Straße bzw. Amundsenstraße ein Ort der eingesessenen Wiener, der Stammgäste, an dem einzelne Spaziergänger eingekehrt sind. Nicht die Adabeis.

Die früheren Betreiber des Gasthauses am Hanslteich konnten lange nicht in das Lokal investieren. Von persönlichen Schicksalsschlägen war die Rede, auch davon, dass das Geschäft seit vielen Jahren nicht gelaufen sei. Das Pachtverhältnis dürfte nach 17 Jahren nicht konfliktfrei zu Ende gegangen sein. Michael Landrichter, der Gutsverwalter des Stifts St. Peter, des Besitzers des Areals, spricht von einem „fürchterlichen Zustand“, in dem das Lokal zuletzt gewesen sei. Probleme mit Außenständen, Unkraut, Fäulnis. „Der Betrieb hat seit Jahren nicht funktioniert.“

Es war nicht immer so. „Früher hat man gesagt, gehen wir auf einen Kaffee oder eine Mehlspeise zum Hanslteich“, erzählt die Hernalser Bezirksvorsteherin Ilse Pfeffer (SP). Das ist viele Jahre her. Jetzt, sagt ein Spaziergänger, der dort am Abend vorbeikommt, könne er nicht mehr schnell auf einen Spritzer einkehren. Unter dem noblen Publikum fühle er sich nicht wohl. Ein anderer spricht von „wunderbarer Hausmannskost“, schwärmt von der Atmosphäre und Ausflügen auf der Vespa, die der 30-Jährige schon zum Hanslteich unternommen hat.


„Es ist gut, dass etwas passiert.“ „Am Anfang hieß es: Was soll das?“, erzählt auch Pfeffer von der Skepsis der Anrainer. Mittlerweile hätten sich die Bewohner der benachbarten Kleingärten mit dem Klee angefreundet. „Es ist gut, dass etwas passiert, dass sich wieder etwas tut, dass das Gasthaus auf neuzeitlichen Stand gebracht wurde. Aber die Ausflügler stehen nicht mehr so im Vordergrund“, sagt Pfeffer.

Das Gasthaus am Teich steht seit vielen Jahren, schon in den 1920er-Jahren sollen dort Wanderer versorgt worden sein. Der Hanslteich wurde einst, im 19.Jahrhundert, als Eisteich angelegt, der heutige Name stammt von einer Frau Hansen. Ihr war es damals gestattet, Eisblöcke aus dem Teich zu stechen, die dann in Kühlhäusern verwendet wurden. Zuvor nannte man die ursprünglich drei Teiche Salzburger Teiche, benannt nach dem Stift St. Peter in Salzburg, zu dessen 100 Hektar großen Ländereien in Hernals heute noch der Teich, die anliegenden Schrebergärten und Wälder gehören. Zwei der einstigen drei Teiche sind schon lange verlandet, erzählt Gutsverwalter Landrichter. Auch der Hanslteich muss immer wieder ausgebaggert werden. Heute haben sich Krebse, Lurche und Enten das Biotop als ihren Lebensraum ausgesucht. Und freilich jede Menge Insekten.


Ausbau versus Umweltschutz.
Diese sind es auch, die nicht nur die Gäste plagen, sondern unter anderem für strenge umweltschutzrechtliche Auflagen sorgen. Der Hanslteich liegt im streng geschützten Wald-und-Wiesen-Gürtel. „Wir müssen einen Antrag einreichen, wenn wir einen Blumentrog aufstellen wollen“, sagt Helnwein. Auch ein weiterer Ausbau des Lokals ist an Auflagen bisher gescheitert, soll aber in den nächsten Jahren kommen.

Dann wird sich entschieden haben, ob sich das Lokal als Society-Hotspot etablieren kann. „Es herrscht jetzt ein Hype, der durch die neuen Betreiber und ihre Netzwerke entstanden ist. Man wird sehen, ob sich das hält.“ Ob die Gesellschaft der City dauerhaft in den Wienerwald pilgert oder ob das Lokal am Teich doch wieder ein Ort der Wanderer und Spaziergänger wird. Oder, ob es am verwunschenen Hanslteich wieder etwas ruhiger wird.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.07.2012)