Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl

George Pelecanos: Kein typischer Amerikaner

George Pelecanos Kein typischer
(c) rororo
  • Drucken

Mit Irak-Veteran Spero Lucas führt "The Wire"-Ko-Autor George Pelecanos einen Privatermittler ein, der noch viel Potenzial hat.

Der griechischstämmige US-Autor George Pelecanos schreibt auf den ersten Blick Krimis. Nimmt man das Gesamtwerk des 55-Jährigen genauer unter die Lupe, offenbart sich allerdings etwas anderes: gut getarnte Gesellschaftskritik. Neben Dennis Lehane und Richard Price – alle drei waren übrigens Ko-Autoren der TV-Serie „The Wire“ – zählt er wohl zu den bedeutendsten Chronisten eines gewalttätigen Amerikas abseits des Rampenlichts. Mit jedem neuen Roman blickt er tief in die Seele der Vereinigten Staaten der Underdogs – so auch mit „Ein schmutziges Geschäft“.

Irak-Veteran Spero Lucas verdient sich als Privatermittler sein Geld. Er hat sich darauf spezialisiert, verschwundene Gegenstände wiederzufinden. Doch dann lernt Lucas den Drogendealer Anwan Hawkins kennen – „und von da an ging's bergab“, heißt es am Ende des ersten Kapitels. Besser könnte man es nicht zusammenfassen.

Pelecanos bricht gern mit Konventionen, wie auch ein Blick ins Familienalbum der Familie Lucas zeigt: Spero ist eines von vier Kindern zweier griechischstämmiger Amerikaner. Seine Schwester ist allerdings das einzige leibliche Kind. Zwei Kinder sind weiß, zwei schwarz.

„Ein schmutziges Geschäft“ ist zwar kein Meisterwerk. Doch vielleicht ist gerade dieses leicht zu unterschätzende Buch ideal dazu geeignet, den im deutschsprachigen Raum großteils unbekannten Autor endlich kennenzulernen. Denn es macht durchaus Lust auf mehr. phu

George Pelecanos: „Ein schmutziges Geschäft“, übersetzt von Jochen Schwarzer, rororo, 383 Seiten, 10,30 Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.07.2012)