Schnellauswahl

Libor-Manipulationen: Zinsbetrug, leicht gemacht

LiborManipulationen Zinsbetrug leicht gemacht
(c) EPA (ANDY RAIN)
  • Drucken

In den vergangenen Jahren sollen zahlreiche Banken, wie berichtet, den Libor durch Falschangaben manipuliert haben. Um die Zinsen nach unten zu drücken, mussten sich die Banken nicht einmal absprechen.

Frankfurt/Bloomberg. Die Manipulation eines der wichtigsten Zinssätze weltweit dürfte den Banken leichter gefallen sein als bisher angenommen, behaupten Insider. Die Banken mussten sich nämlich nicht einmal absprechen. Die Aufsichtsbehörden waren zunächst von Absprachen ausgegangen.

Der Londoner Interbankensatz Libor wird als Benchmark für Wertpapiere im Wert von rund 500 Billionen Dollar (408 Billionen Euro) weltweit verwendet, zahlreiche Kredite hängen von ihm ab. Um ihn zu ermitteln, erhebt die British Bankers' Association bei 16 Banken, zu welchem Zinssatz sie sich bei anderen Banken refinanzieren können. Dann werden die vier höchsten und die vier niedrigsten Werte ausgeschlossen. Aus den verbleibenden acht Werten wird ein Durchschnitt berechnet. In ähnlicher Weise ermittelt die European Banking Federation den Satz für den Euroraum, den Euribor.

 

„Keine Verschwörung notwendig“

Will nun eine Bank den Libor nach unten drücken, braucht sie nur eine Angabe zu machen, die zu niedrig ist, um berücksichtigt zu werden. Dann schiebt sich ein anderer niedriger Wert, der sonst nicht berücksichtigt worden wäre, wieder unter die berücksichtigten Werte, was den Durchschnitt nach unten drückt. Mit der Angabe eines hohen Werts kann entsprechend der Durchschnitt nach unten gedrückt werden.

In den vergangenen Jahren sollen zahlreiche Banken, wie berichtet, den Libor durch Falschangaben manipuliert haben. Nach unten, um selbst als kreditwürdig dazustehen, nach oben, um höhere Margen zu erzielen. Behörden ermitteln, ob es beim Euribor Manipulationen gegeben hat.

„Es ist viel leichter, den Libor zu manipulieren, als es aussieht“, schrieb Andrew Verstein, Dozent an der Jus-Fakultät der Universität Yale, in einem zur Veröffentlichung in der Winter-Ausgabe 2013 des „Yale Journal on Regulation“ vorgesehenen Artikel. „Eine Verschwörung ist nicht notwendig.“

Ein ehemaliger Händler, der anonym bleiben will, da Aufsichtsbehörden gegen ihn ermitteln, räumte gegenüber Bloomberg ein, dass er und seine Kollegen über Jahre hinweg die Zinsen beeinflusst haben. Es sei leicht gewesen, und auch kleine Veränderungen hätten ihre Gewinne oder Verluste beeinflusst.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.07.2012)