Beste britische Tradition bei Art Carnuntum

Beste britische Tradition Carnuntum
Beste britische Tradition Carnuntum(c) AP (Joan Marcus)
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"Shakespeare's Globe" zeigt bei einem Gastspiel in Niederösterreich "As You Like It": Voll Energie und Lust an Verkleidung.

Fast wie ein Musical inszeniert James Dacre William Shakespeares Komödie „As You Like It“, mit der das Globe am Wochenende bei Art Carnuntum auf Schloss Hof zu Gast war. In London werden 2012 von diesem Theater alle Stücke des englischen Dramatikers gegeben – auf Tournee sind deshalb nur zwei bewährte Produktionen in verjüngter Besetzung zu sehen (am 10. und 11. August: „Hamlet“). Erstere ist aber wirklich fein gemacht. Mit Fiedeln, Trommeln, Akkordeon wird aufgespielt, sogar Tango und Blues. Die Stimmen sind nicht immer harmonisch – das passt zu diesem Drama mit diversen Stadien der Verliebtheit.

„As You Like It“ steht hier in bester britischer Tradition. Acht Schauspieler singen, tanzen, kämpfen und kokettieren lustvoll in einer übertriebenen Idylle. Sie kleiden sich in Samt, Seide und grobes Garn, wie es das Stück verlangt, sie spielen auch sonst einige Mehrfachrollen, sodass man meint, der Wald von Arden, dieser Fluchtort vor der Tyrannei, werde von 20 Darstellern gestürmt. Flott geht die Handlung voran, ist aber so verwickelt, dass man bald nicht mehr weiß, wer Knabe oder Mädchen, Mann oder Weib, wo vorne und hinten ist. Nach gut zweieinhalb Stunden bleibt nur eine Lösung: Geheiratet wird! Vierfach! Der Böse entsagt der Macht, der Melancholiker folgt ihm willig in die Einsamkeit. Die Ehen aber versprechen bereits in ihrer ersten Stunde unterschiedliche Entwicklungen.

Mit wem möchte man hier am liebsten liiert sein? Da gibt es nur eine: Rosalind, Tochter des entmachteten Herzogs, die sich in Orlando verliebt. Den aber verbannt der zu Unrecht regierende Bruder des Herzogs, Frederick. Deirdre Mullins spielt Rosalind, die sich in einen Knaben verwandelt, bezaubernd, doch voller Energie. Will Featherstone als romantischer Liebhaber ist für sie eine eigenwillige Ergänzung: Dieser naive Orlando weiß gar nicht, wie ihm geschieht auf dem weiten Feld der Liebe.

Auch er hat einen schurkischen Bruder, Oliver, der ihn mit allen Mitteln beseitigen will. Orlando flieht in den Wald, wo der alte Herzog eine pastorale Gegenherrschaft führt. Die Bühne war zuvor ein Bretterverschlag mit Holzkisten und öffnet sich nun für ein romantisches Bild: Ein Baum in vollem Saft, wie geschaffen, um Zettel mit Versen daraufzuheften. Dem dichtenden Orlando folgt Rosalind, verkleidet als Knabe Ganymed, begleitet vom Narren Touchstone und Fredericks Tochter Celia, die zu Ganymeds Schwester Aliena wird. Sie zerpflücken die Poesie: Beth Park setzt die Pointen im Duett mit Mullins exakt.

Das ist bei diesem Verwirrspiel mit oft beeindruckender Sportlichkeit nicht leicht. Ständig werden die Rollen gewechselt – Schlägertypen mutieren zu Schäfern, Höflinge zu Narren. Will Mannering ist als Touchstone subtil, aber zum Schreien komisch, wenn er mit John O'Mahony auf der Bühne steht, der von der Doppelrolle der Herzöge in die der rustikalen Audrey schlüpft. Sie toben sich in einer Travestie aus. Die interessanteste Variante aber hat Emma Pallant zu spielen, die mit Bravour die derbe Schäferin Phoebe gibt: Sie ist hier nämlich auch ein weiblicher Jacques, eine melancholische Zynikerin, die den guten Herzog küsst, als verbinde die beiden eine verlorene Liebe. Ihr Glanzstück: „All the world's a stage...“ Und alles ist für einen Moment still, als ob aus Spiel Ernst wird.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.07.2012)

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