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Firmengründen, schwer gemacht

Firmengruenden schwer gemacht
(c) APA/ROBERT JAEGER (ROBERT JAEGER)

Die Regierung will Firmengründern mit Förderungen unter die Arme greifen. Doch die mangelnde Finanzierung ist nicht das einzige Problem, sagen Experten.

Freie Zeiteinteilung, niemand, der einem sagt, was zu tun ist, und vielleicht sogar reich werden: Der Traum vom eigenen Unternehmen ist für viele verlockend. Wer den Schritt wagt, darf mit Respekt und Anerkennung rechnen. Laut dem „Global Entrepreneurship Monitor“ (GEM) schreiben die Österreicher Unternehmern ein hohes Ansehen zu, knapp die Hälfte der Nichtunternehmer sieht die Möglichkeit, selbst eine Firma zu gründen. Tatsächlich machen das aber nur sieben Prozent.

Das weiß auch Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP). Die Regierung will jungen Firmeninhabern deshalb finanziell unter die Arme greifen: Jungunternehmer sollen zwischen 100.000 Euro und einer Million Euro aus einem neuen Fonds bekommen. Pro Jahr sollen so 20 bis 30 Beteiligungen von bis zu 49 Prozent genehmigt werden. Nach spätestens zehn Jahren will sich die öffentliche Hand wieder zurückziehen und die Anteile verkaufen, vorzugsweise an den Eigentümer.

Ein zweiter Fonds soll jungen Unternehmern die Beteiligungen privater Investoren, sogenannter „Business Angels“, verdoppeln. Dafür stellen das Finanz- und das Wirtschaftsministerium 88Mio. Euro zur Verfügung, die aus Dividenden staatlicher Beteiligungen kommen. „Wenn das Geld von der Tante aufgebraucht ist und Investitionen anstehen, wird es oft schwierig“, so Mitterlehner.

 

Schwieriges Land für Unternehmer

Das Geld ist aber nur ein Grund dafür, dass die Neigung der Österreicher zum Unternehmertum eher schwach ausgeprägt ist. Jeder zehnte Erwachsene in der EU hat laut Daten der Kommission konkrete Pläne für eine Unternehmensgründung. In Österreich ist es nur jeder zwanzigste. Kein Wunder: Glaubt man einer Studie der Weltbank, ist der Sprung vom Angestellten zum Unternehmer hierzulande denkbar schwierig. Für die Analyse „Doing Business 2012“ untersuchte die Weltbank die Rahmenbedingungen für Unternehmer auf der ganzen Welt. Österreich landet in der jüngsten Analyse nur auf Platz 32 und büßte im Vergleich zum Vorjahr sogar vier Ränge ein. Ein besseres Umfeld für Unternehmer bieten laut Weltbank nicht nur 13 EU-Staaten, sondern auch Länder wie Mazedonien.

Die Finanzierung und der Businessplan sind das eine Problem. Dazu kommen die überbordende Bürokratie und eine im internationalen Vergleich hohe Steuerbelastung. „Viele wachen auf, wenn sie die ersten Mitarbeiter anstellen“, sagt Erik Malle von PricewaterhouseCoopers (PwC) Österreich. „Die Lohnkosten sind oft ein echter Hammer.“

 

Hohe Steuern und Abgaben

In einer aktuellen PwC-Studie landet Österreich im globalen Vergleich nur auf Platz 78 von 183 untersuchten Ländern. Mit anderen Worten: 77 Länder der Welt sind für Unternehmer attraktiver, wenn es um die Gesamtbelastung durch Steuern und Abgaben geht. 53 Prozent des Gewinns gehen in Österreich für Steuern und Abgaben drauf, in Luxemburg etwa sind es nur 21, in Deutschland sind es 46,7Prozent.

Auch der bürokratische Aufwand kann für viele abschreckend sein. Wer in Österreich etwa eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) gründen will, muss dafür laut Weltbank 28 Tage einplanen. „Wenn der Unternehmer einen Ansprechpartner für alle Behörden hätte, dann würde das, glaube ich, schon helfen“, so Malle.

Studien nennen auch immer wieder die geringe Risikobereitschaft der Österreicher als Hürde. So sehen das auch die Autoren des „Global Entrepreneurship Monitor“, der die unternehmerische Aktivität in 42 Ländern misst. Die Risikoaversion und die Angst vor dem Scheitern hinderten viele am Schritt in die Selbstständigkeit, schreiben die für Österreich zuständigen Autoren von der Karl-Franzens-Universität und dem Joanneum Graz. „,Typische Österreicher planen ihre Zukunft sorgfältig und achten dabei darauf, kein hohes Risiko einzugehen.“

Für Markus Roth, der die Jungunternehmer Österreichs in der Wirtschaftskammer vertritt, ist die Förderinitiative der Regierung „begrüßenswert“. Mit den strengeren Eigenkapitalvorschriften durch BaselIII werde es für junge Unternehmensideen schwieriger, an Kapital von Banken zu kommen. Das österreichische Jungunternehmertum ist aber stark von der Bankenfinanzierung abhängig, weil das Beteiligungskapital von privaten Investoren fehlt. Die Junge Wirtschaft fordert daher zusätzlich einen Steuerfreibetrag von 50.000 Euro für Beteiligungen. „Das würde helfen, dass mehr Private investieren“, so Roth.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.07.2012)