E-Wirtschaft: Verbund: 65.000 Stromkunden auf einen Schlag

Warum der Einstieg in die Klagenfurter Stadtwerke für den Verbund von höchstem Interesse ist.

wien. Verbund-Chef Hans Haider macht Druck: Noch heuer soll der Aufsichtsrat der Verbundgesellschaft zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen getrommelt werden. Das Gremium soll den geplanten Einstieg von Österreichs größtem Stromproduzenten in die Energiesparte der Klagenfurter Stadtwerke absegnen. Wie die "Presse" am Dienstag berichtete, will der Verbund 49 Prozent am Energiegeschäft des Kommunalversorgers erwerben. Knapp 130 Mill. Euro soll dem Verbund der Deal wert sein.

Das Engagement in Kärnten ist für den Verbund aus zwei Gründen von höchstem Interesse: Erstens wälzt der Konzern Pläne, südlich von Klagenfurt ein 400-Megawatt-Gaskraftwerk zu errichten. Mit dem Einstieg in die Stadtwerke, die über ein veraltetes Kraftwerk verfügen, wird dies wohl auch politisch entsprechend unterstützt werden. Zweitens erhält der Verbund Zugang zu rund 5000 Gas- und Wärmekunden - vor allem aber zu 65.000 Stromverbrauchern. Und das kommt dem Verbund mehr als gelegen. Seit Sommer dieses Jahres ist das Unternehmen wieder in das Geschäft mit den Endkunden eingestiegen, und das entwickelt sich überaus vielversprechend: Mit derzeit 12.000 Kunden wurden die gesteckten Ziele um 100 Prozent übertroffen.

Der Verbund baut auf das Geschäft mit den Kleinabnehmern - zumal der einstige Plan, auch Großkunden zu beliefern, eher zäh in der Realisierung ist. Dazu müsste das Unternehmen seine im Frühjahr 2004 verkaufte Großkundentochter APC zurückkaufen. Doch dabei spießt es sich.

Der Verbund hatte die APC im April 2004 an die slowenische Istrabenz verkauft, nachdem die EU-Kommission den Verkauf zur Bedingung für die Genehmigung der "Österreichischen Stromlösung" (ÖSL) gemacht hatte. Mittlerweile hat der Verbund sein Interesse an der ÖSL, einem Zusammenschluss von Energieversorgern im Osten des Landes, verloren. Das Unternehmen möchte daher die APC zurückkaufen - und hat sich mit den Slowenen darüber auch schon geeinigt. Doch weil dies einem Todesstoß der ÖSL gleich käme, und dies den Energieversorgern aus Wien und aus Niederösterreich entschieden gegen den Strich ginge, wird die Angelegenheit offenbar politisch blockiert: Dem Vernehmen nach verhindert das Wirtschaftsministerium als Verbund-Eigentümervertreter, dass der APC-Rückkauf dem Aufsichtsrat zum Beschluss vorgelegt wird. Was vom Ministerium heftig dementiert wird.

Das Problem für den Verbund: Ohne APC kann das Unternehmen nicht in das lukrative Großkundengeschäft einsteigen. Denn mit der Istrabenz wurde seinerzeit ein sogenanntes Wettbewerbsverbot vereinbart. Das besagt, dass der Verbund den Slowenen in dem Bereich keine Konkurrenz machen darf. Hinter den Kulissen soll mit der Istrabenz bereits über einen Wegfall dieses Verbotes verhandelt werden. Ob es dabei zu einer Einigung kommt, wird wohl eine Frage des von den Österreichern angebotenen Preises sein.

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