Schnellauswahl

Von einer Insel, die doch nicht zu Österreich will

einer Insel doch nicht
(c) Bilderbox

Trotz intensiver medialer Spekulationen bleibt die Ägäis-Insel Ikaria griechisch. Laut der Zeitung "Österreich" bezeichnet der Bürgermeister Ikarias die Sache als "netten Scherz".

Athen/Wien/Sig/C.g. „Pleite! Griechen-Insel will jetzt zu Österreich“, titelte die Gratiszeitung „Heute“ am Dienstag. Und auch die italienische „Libero“ berichtete, dass die Bewohner der Ägäis-Insel Ikaria davon träumten, sich von Athen loszusagen. Die Einwohner Ikarias hätten bei der Feier anlässlich ihrer 100-jährigen Unabhängigkeit vom türkischen Reich den Wunsch geäußert, in Zukunft gerne zu Österreich zu gehören: „Natürlich nicht zur Türkei, lieber zu Österreich.“

Wer genau das gesagt hat, wurde nicht verraten, die Rede war lediglich von „den Insulanern“, „einigen Bewohnern“ oder schlicht „der Ägäis-Insel“. Während österreichische Tageszeitungen ausführlich über die Motive „der Insulaner“ berichteten (mangelnde Infrastruktur, Groll gegen die Regierung in Athen) und die klimatischen Vorzüge Ikarias aufzählten, entstand schnell der Eindruck, ein Beitritt Ikarias zu Österreich sei so gut wie abgemacht. Bald war die Rede von einer Volksabstimmung über die Unabhängigkeit der Insel, ein österreichischer Völkerrechtler sah „kein Problem“ in einem Beitritt, merkte aber an, dass Wien dann Ikarias Schulden übernehmen und die Verfassung ändern müsse.

In Griechenland rief die Meldung erstaunte Reaktionen hervor. Offiziell verwies man lakonisch auf eine Stellungnahme der griechischen Botschaft in Wien. Dort stellt man fest, dass die Inseln der Ostägäis 1923 durch die Lausanner Verträge an Griechenland fielen und keinerlei Verträge zwischen der Insel und dem Staat bestünden, die auslaufen könnten. Laut der Zeitung „Österreich“ bezeichnet der Bürgermeister Ikarias die Sache als „netten Scherz“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.07.2012)