Bei Yen-Darlehen haben sich die Schulden zuletzt erhöht, der Zinsvorteil ist so gut wie verschwunden. Wegen der Schuldenkrise ist eine Entspannung der Lage nicht in Sicht.
Wien/Ker. Die Situation an den Währungsmärkten wird sichtlich ungemütlicher. Der Wert des Euro zum japanischen Yen ist kürzlich auf den niedrigsten Wert seit rund zwölf Jahren gefallen. Auf die Prognosen der meisten Analysten war damit kein Verlass.
Kurzfristig hatte es vor einigen Wochen ausgesehen, als würden reife Lösungsvorschläge für die europäische Schuldenkrise vorliegen. Diese Hoffnung ist bei den Marktteilnehmern aber wieder verschwunden. Die Zinskosten für Eurostaaten wie Spanien sind weiter enorm, die Kapitalflucht aus Ländern wie Italien nimmt zu. Die Anleger gehen daher auf dem Währungsmarkt keine großen Risken ein und machen eine Kurve um die europäische Einheitswährung.
Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), den Leitzins auf das Rekordtief von 0,75 Prozent zu senken, brachte den Euro weiter unter Druck. Schlimmer noch: EZB-Chef Mario Draghi verkündete resolut, dass die EZB weitere Leitzinssenkungen vornehmen könnte, um die Konjunktur in Schwung zu bringen.
Verluste realisieren?
Damit kommen die heimischen Yen-Schuldner wieder unter Druck, obwohl ihre Situation vor drei Monaten noch relativ gut ausgesehen hat. Mitte April notierte der Euro bei über 110 Yen. Für viele Kreditnehmer wäre dieser Kurs wohl eine gute Option gewesen, aus dem Yen „rauszugehen“ und in einen Eurokredit zu wechseln („Die Presse“ berichtete).
Heute schaut die Lage wieder anders aus. Der Euro hat seither um über zehn Prozent an Wert verloren. Die (Buch-)Kreditschuld bei den Yen-Darlehen hat somit innerhalb weniger Monate rasant zugenommen.
Das soll ein Beispiel verdeutlichen: Ein Kreditnehmer hat sich Anfang 2000 im Yen zum Gegenwert von 100.000 Euro verschuldet. Im April dieses Jahres betrug seine Kreditschuld rund 98.000 Euro. Soll heißen: Wenn er zu diesem Zeitpunkt ausgestiegen wäre, hätte er einen Währungsgewinn gemacht. Und wenn er den Yen-Kredit behalten hat? Durch den zwischenzeitlichen Wertverlust des Euro liegt die aktuelle Kreditschuld bei rund 111.000 Euro. Das heißt, derzeit steht er bei einem Währungsverlust von 11.000 Euro.
Zinsersparnis kleiner
Zugegeben, das wird in diesem Fall verkraftbar sein. Schließlich hat sich der Kunde in den zwölf Jahren aufgrund der niedrigen Yen-Zinsen mehr als 34.000 Euro an Kosten erspart. Das heißt aber nicht, dass die Lage nicht noch sehr ungemütlich werden kann. Der Zinsvorteil für Yen-Darlehen ist derzeit kaum vorhanden. Der Unterschied macht durch die sinkenden Eurozinsen mittlerweile weniger als 0,3 Prozentpunkte aus (bei den Dreimonats-Zinssätzen, Anm.). Bei einem endfälligen 100.000-Euro-Kredit erspart man sich im Yen monatlich nur mehr knapp 25 Euro (bei einer Kreditmarge von 1,5 Prozent).
Darüber hinaus lauern noch einige Gefahren für den Euro und somit für die Yen-Kredite:
•Das deutsche Bundesverfassungsgericht wird Mitte September entscheiden, ob der ständige Euro-Rettungsschirm und der europäische Fiskalpakt mit der deutschen Verfassung konform gehen. Eine Ablehnung des Gerichts könnte neue Verwerfungen an den Währungsmärkten nach sich ziehen.
•Der japanische Yen ist eine beliebte Währung für sogenannte Carry-Trade-Geschäfte. Dabei verschulden sich Anleger in einer niedrig verzinsten Währung (etwa dem Yen) und kaufen damit höher verzinste Währungen. In unsicheren Zeiten werden diese Geschäfte jedoch zurückgefahren. Wenn ein solcher Carry-Trade aufgelöst wird, gewinnt die Finanzierungswährung (eben der Yen) an Wert. Von dieser Seite könnte es in den nächsten Wochen noch einen zusätzlichen Aufwärtstrend für den Yen geben.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.07.2012)