Bubble Tea schwappt über das Land

Neuer Hype Bubble schwappt
Neuer Hype Bubble schwappt(c) Die Presse (Eva Rauer)
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Der Bubble Tea hat seinen Status als Geheimtipp eingebüßt – in ganz Österreich, vor allem in Wien, sind Shops für das süße Getränk aus Taiwan auf Expansionskurs. Sehr zum Missfallen von Ernährungsexperten.

[Wien]. Im ersten Moment ist es schwierig, sich in der fremden Welt zurechtzufinden: Wörter wie Oolong Milchtee und Tapiokaperlen stehen an den Wänden. Gefolgt von Begriffen wie Popping Boba und Rainbow Jelly, die erst beim Durchlesen der (ebenfalls vorhandenen) Erklärung und Anleitung langsam einen Sinn ergeben.

Von Wien ausgehend befindet sich Österreich derzeit im Bubble-Tea-Hype. Kaum ein Tag vergeht, an dem die bunten Getränke mit den namensgebenden Kügelchen nicht irgendwo auf der Straße zu sehen sind. Und die dazugehörigen Shops breiten sich auch zunehmend aus - in Wien, aber auch in anderen Teilen des Landes.
„Wir planen derzeit, jeden Monat einen neuen Shop aufzumachen", sagt etwa Georg Demmer vom gleichnamigen Teehaus und seit einem Jahr beim Bubble-Tea-Unternehmen Tea-licious als Franchise Manager tätig. Kommende Woche will das Unternehmen seinen achten Shop in der Schottengasse im ersten Bezirk eröffnen. Nummer neun folgt die Woche darauf in Seiersberg bei Graz. Ab 2013 geht es ins Ausland - zusätzlich eröffnet in zwei Wochen ein Online-Shop mit Bubble-Tea-Sets zum Selbermachen.

Matschige Gummibären

Seinen Siegeszug hat der Bubble Tea in Taiwan begonnen. Dort wurde der Tee eigentlich als „flüssiges Dessert" entwickelt, wie Demmer erzählt. In seiner Urversion besteht der Bubble Tea aus Milchtee mit Tapioka-Perlen, die in den Tee gegeben werden (daher auch der Name „Bubble Tea"). Die Perlen werden mit dem Strohhalm aufgesogen und schmecken ein bisschen wie matschige Gummibären. Mittlerweile gibt es die Bubble Teas aber in den verschiedensten Variationen: als Smoothies und Aroma-Tees, mit Toppings wie Popping Boba (das sind kleine Kügelchen aus Stärke, in denen sich Fruchtsirup befindet) und Jelly Beans. Nicht alle Angebote stammen aus Taiwan. „Wir haben einiges auf den europäischen Geschmack angepasst", sagt Yin-Tzu Huang, Managerin bei Baburu, der zweiten großen Wiener Bubble-Tea-Kette nach Tea-licious. Auch Baburu hat erst vergangene Woche ein weiteres Geschäft in der Kärntner Straße eröffnet. Zwei weitere Geschäfte werden demnächst im Bundesland Salzburg folgen.

„Wir haben nicht damit gerechnet, dass es so schnell geht", sagt Demmer von Tea-licious und meint damit nicht nur den eigenen Erfolg, sondern auch die Expansion der Konkurrenz im Land. Langfristig will sich das Unternehmen daher mit Qualität auf dem Markt halten. Die Rezepte sind selbst entwickelt, die Lebensmittel dafür kauft Tea-licious (übrigens genauso wie Konkurrent Baburu) großteils in Taiwan bei großen Bubble-Tea-Herstellern.

Auf Qualität müssen die Bubble-Tea-Hersteller wohl auch setzen. Denn schon längst haben Ärzte und Ernährungsexperten die knallbunten Getränke zu ihren Feinden erklärt. Erst Ende Juni hat Stiftung Warentest in Deutschland Bubble Teas ein denkbar schlechtes Zeugnis ausgestellt. Bis zu 30 Stück Würfelzucker soll ein halber Liter im Extremfall enthalten. Mehr als die empfohlene Tagesdosis für eine erwachsene Frau.

„Bubble Teas sind sicher keine Wellnessgetränke, sondern ein Snack", sagt Demmer, der darum bemüht ist, jedem zu erklären, wie wenig gesundheitsschädlich diese Tees sind. Aus diesem Grund hat Tea-licious eine Broschüre mit den Kalorien für die Tees herausgebracht. Zwischen 100 und 500 Kalorien bewegen sich die Nährwerte. Weniger als bei der Konkurrenz, behauptet er. Trotzdem arbeitet er an Varianten mit wenig Zucker.

Bubble Teas sind nicht gesund

Gedanken an Gesundheit und Linie dürften aber nur eine untergeordnete Rolle spielen - der Baburu-Laden in der Schottentorpassage etwa ist noch um acht Uhr abends gut gefüllt. Genauso wie am nächsten Tag um elf Uhr morgens. Neue Entwicklungen wie der Bio-Bubble-Tea von Bubble Tea Time in Salzburg werden den Erfolg wohl auch vorantreiben. Die Verkäufer von Bubble Tea hoffen ohnehin, dass es die Leute halten, wie die Mutter, die mit ihren Kindern bei Baburu verschiedene Teesorten ausprobiert. „Gesund sind Bubble Teas sicher nicht. Aber hin und wieder gönnt man sich ja auch ein Cola."

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.07.2012)

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