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Ein Drittel mehr Geld für Bauern

(c) Erwin Wodicka - wodicka@aon.at (Erwin Wodicka)
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Österreichs Bauern verzeichnen große Einkommenssteigerungen. Das meiste Geld kommt aber weiterhin vom Staat. Die heurige Ernte dürfte schlechter ausfallen.

Wien/Sat. Österreichs Bauern haben 2011 fast ein Drittel mehr verdient als noch im Jahr zuvor. Das zeigt der Grüne Bericht, der vom Landwirtschaftsministerium jährlich veröffentlicht wird. Er soll die Situation der Land- und Forstwirtschaft darstellen und gibt einen Überblick über die wichtigsten Fakten zur Lage der heimischen Bauern. Und die sieht so aus: Pro Betrieb blieben 2011 im Schnitt jährlich 30.310 Euro übrig, 2010 waren es noch 22.863 Euro.

Die starke Steigerung ist auf eine guten Ernte und hohe Preise zurückzuführen, so das Landwirtschaftsministerium. Sowohl für Getreide und Milch als auch für Fleisch und Holz erhielten die Bauern 2011 mehr Geld als zuvor. Gestiegen sind aber auch die Ausgaben, und zwar im Schnitt um acht Prozent. Preistreiber sind vor allem Futtermittel, Dünger und Energie. Den Erfolg der Bauern trübte das aber kaum.

Das gute Ergebnis folgt einem ebenso erfolgreichen Vorjahr. 2010 verzeichnete der durchschnittliche Betrieb bereits ein Einkommensplus von rund einem Fünftel. Dafür drückte die Krise in den beiden Jahren davor auch der Landwirtschaft ihren Stempel auf. Während das durchschnittliche Betriebseinkommen 2008 stagnierte, brach es 2009 um fast 30 Prozent ein. Der Grund dafür waren niedrige Preise und in Folge niedrigere Erträge.

 

Sechs von zehn Euro vom Staat

Auf die einzelne Arbeitskraft in der Land- und Forstwirtschaft entfiel 2011 ein Gewinn von im Schnitt 23.485 Euro. Die Zahl gilt aber nur für die unbezahlten Arbeitskräfte, überwiegend Familienmitglieder.

Obwohl die Bauern ihre Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft steigern konnten, kommt weiterhin ein großer Teil ihrer Einnahmen von der öffentlichen Hand. Durchschnittliche Förderungen von 18.180 Euro pro Betrieb sorgen dafür, dass mehr als sechs von zehn erwirtschafteten Euro vom Staat kommen. Dank der höheren Einnahmen ist dieser Anteil aber wiederholt gesunken: Im Jahr 2010 etwa kamen noch 80 Prozent der Bauerngewinne vom Staat, im äußerst ertragsarmen Jahr 2009 waren es sogar 94Prozent. Der Großteil der Förderungen kommt aus Brüssel: Rund 50 Milliarden Euro aus dem EU-Budget werden jedes Jahr an die Bauern der 27 Mitgliedsländer verteilt.

So gut das Vorjahr war, so unwahrscheinlich ist es, dass sich der Trend fortsetzt. Denn Hagel, Dürre, Frost und Überschwemmungen hätten schon bisher einen Schaden von mehr als 60 Mio. Euro verursacht, sagt Gerhard Wlodkowski, Präsident der Landwirtschaftskammer. Auch die Getreideernte habe darunter gelitten. Die Kammer erwartet, dass die Bauern heuer nur 80Prozent der Menge des Vorjahres ernten können. Vor allem bei Getreide, aber auch bei Obstkulturen gebe es massive Ernteausfälle, so auch Bauernbund-Präsident Jakob Auer. Betroffen ist vor allem der Osten Österreichs.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.07.2012)