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Selbstmordattentäter von Burgas war kein Bulgare

(c) EPA (OLIVER WEIKEN)
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Die Identität des Terroristen soll mit Hilfe einer DNA-Analyse ermittelt werden. Die USA vermuten, dass in Bulgarien eine Zelle der pro-iranischen Hisbollah aktiv ist – die Regierung in Sofia glaubt nicht daran.

Sofia/Ag. Noch ist die Identität des Selbstmordattentäters von Burgas nicht geklärt, doch laut bulgarischen Behörden steht eines bereits so gut wie fest: Jener Mann, der am Mittwoch in einem Autobus am Flughafen der Schwarzmeerstadt eine Bombe gezündet und fünf israelische Touristen sowie den Chauffeur in den Tod gerissen hat, kam aus dem Ausland. „Wir sprechen von einer Person, die kein bulgarischer Staatsbürger ist“, sagte am Freitag Innenminister Tswetan Tswetanow.

Die bulgarischen Ermittler haben bereits eine Reihe von Hinweisen zusammengetragen, die das Bild eines Mannes ergeben, der seine Attacke akribisch vorbereitet hat. So soll er im Vorfeld mehrere Taxifahrten zum Flughafen unternommen und die Fahrer dabei nach dem Prozedere am Airport gefragt haben. Augenzeugen wollen ihn in den Tagen vor dem Anschlag in den benachbarten Badeorten Pomorie und Rawda gesehen haben, wo er – so die Arbeitshypothese – ein Auto mieten wollte. Den Behörden ist es zudem gelungen, die DNA des Attentäters sicherzustellen, die nun mit Proben aus Datenbanken abgeglichen wird. Unterstützung erhalten die bulgarischen Experten dabei vom israelischen Geheimdienst.

 

Spekulation um Terror-Zelle

Für die USA steht gemäß der „New York Times“ jedenfalls schon jetzt fest, dass die pro-iranische Hisbollah – konkret eine bulgarische Zelle der schiitischen Miliz – hinter dem Anschlag steckt. Innenminister Tswetanow hält diese Variante allerdings für wenig realistisch. Der Iran selbst weist jede Verantwortung für die Bluttat von sich.

Obwohl die Regierung nicht an die Existenz einer Terror-Zelle in Bulgarien glaubt, will sie dennoch kein Risiko eingehen. In allen Hotels, die Urlauber aus Israel beherbergen, werden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft, berichtete Fremdenverkehrsminister Deljan Dobrew. Einzige gute Nachricht: Bisher habe es keine Stornierungen von Urlaubern gegeben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.07.2012)