Vatileaks: Kammerdiener will Papst um Verzeihung bitten

Vatileaks Kammerdiener will Papst
Vatileaks Kammerdiener will PapstEPA/CLAUDIO PERI
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Paolo Gabriele verbrachte die erste Nacht unter Hausarrest. Er soll vertrauliche Dokumente entwendet haben.

Der in der Enthüllungsaffäre des Heiligen Stuhls verhaftete Kammerdiener des Papstes, Paolo Gabriele, hat zum ersten Mal nach einer zweimonatigen Haft die Nacht in seiner Wohnung im Vatikan verbracht. Der 46-Jährige, der Ende Mai festgenommen worden war, steht nach einer Entscheidung des vatikanischen Untersuchungsrichters Piero Bonnet jetzt in "provisorischer Freiheit" nur noch unter Hausarrest. Gabriele wolle dem Papst um Verzeihung bitten, berichteten die Rechtsanwälte des Kammerdieners.

Gabriele, der nach wie vor sein Gehalt erhält, habe nicht wegen Geld sondern "aus ideellen Gründen" gehandelt, versicherten Gabrieles Rechtsanwälte Carlo Fusco und Cristiana Arru, die den Kammerdiener gegen den Vorwurf des schweren Diebstahls verteidigen. Gabriele soll eine Reihe vertraulicher Dokumente entwendet haben, die dann durch Medien publik wurden, lautet der Verdacht.

"Paolo war stets vom Wunsch getrieben, etwas für den Heiligen Vater zu tun. Er wollte dem Papst helfen, in der Kirche für Sauberkeit zu sorgen. Ich kann ausschließen, dass er nach Geld, oder anderen persönlichen Vorteilen strebte", versicherte Rechtsanwalt Fusco, der auch ein Freund des Angeklagten ist. Gabriele habe von Anfang an mit den Justizbehörden zur Klärung des Falls aktiv beigetragen. Gabriele sei ausgeglichen, er hoffe jedoch, persönlich den Papst um Verzeihung zu bitten. Er wolle dem Papst einen Brief zukommen lassen", berichtete Fusco.

Entscheidung über Verfahren Anfang August

Jetzt beginnt für Gabriele ein zweites Leben. Zu Hause wird er keinen Kontakt zur Außenwelt haben dürfen. Wer ihn besuchen wolle, müsse zuerst eine Genehmigung des Untersuchungsrichters erhalten. Gabriele wird täglich eine Messe besuchen dürfen, muss jedoch begleitet werden. Anfang August sollten die vatikanischen Behörden über die Eröffnung eines Verfahrens gegen Gabriele entscheiden.

Die von Benedikt XVI. eingesetzte Kommission der Kardinäle, die die Hintergründe der "Vatileaks"-Affäre untersucht, hat inzwischen ihre Befragungen und Nachforschungen abgeschlossen und dem Papst berichtet. "In einigen Tagen" geht die Prüfung der Vorwürfe gegen den Kammerdiener in eine wichtige Phase", erläuterte Lombardi.

In den vergangenen Monaten waren mehrere teils brisante Dokumente aus dem Vatikan an die Öffentlichkeit gelangt, so zu einem angeblichen Mordkomplott gegen Benedikt oder über das umstrittene Finanzgebaren der Vatikanbank IOR. Gabriele soll mit den Ermittlern kooperiert haben und kann nach Medienberichten mit einem milden Urteil rechnen.

(APA)

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