Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Amoklauf: Mehr als 30 Granaten in Attentäter-Wohnung

In der Wohnung des Attentäters wurden 30 Granaten sichergestellt.
In der Wohnung des Attentäters wurden 30 Granaten sichergestellt.(c) AP (Ted S. Warren)
  • Drucken

Der 24-Jährige soll zwölf Menschen getötet und 58 verletzt haben. Vor Gericht verweigerte er die Aussage. Die Staatsanwältin will die Todesstrafe fordern.

Nach dem Amoklauf bei einer Kino-Premiere des neuen "Batman"-Films im US-Bundesstaat Colorado sind weitere Einzelheiten über das mit Sprengstofffallen gesicherte Apartment des mutmaßlichen Schützen ans Licht gekommen. Wie der Nachrichtensender CNN am Montagabend (Ortszeit) unter Berufung auf Polizeikreise berichtete, soll der 24-jährige Student James Holmes in seiner Wohnung mehr als 30 selbstgebaute Granaten und Behälter mit insgesamt fast 40 Litern Treibstoff platziert haben. Sprengstoffexperten hätten den Zündmechanismus mit Hilfe eines ferngesteuerten Roboters ausschalten können.

Bei einer Explosion wäre wohl das ganze Stockwerk zerstört worden, mutmaßte ein Behördenvertreter im Gespräch mit CNN. "Die Feuerwehr hätte bei ihrem Eintreffen ein Gebäude vorgefunden, dass vollständig in Flammen gestanden hätte." Die Granaten waren demnach über Drähte mit einem Schaltkasten in der Küche verbunden. Die Box sei mittlerweile zur Untersuchung an Experten der Bundespolizei FBI geschickt worden. Die Polizei hatte am Samstag mitgeteilt, die von der Wohnung ausgehende Gefahr entschärft zu haben.

Staatsanwältin beantragt Todesstrafe

Der mutmaßliche Todesschütze ist am Montag erstmals vor Gericht erschienen. Ein Richter in Centennial konfrontierte den 24-Jährigen erstmals öffentlich mit den Haftgründen. James Holmes soll am vergangenen Freitag bei einem Amoklauf während einer Premiere des neuen "Batman"-Films zwölf Menschen getötet und 58 verletzt haben. Die offizielle Anklage soll am kommenden Montag erhoben werden. Die Staatsanwaltschaft prüft, die Todesstrafe zu fordern. Diese kann im Bundesstaat Colorado bei besonders schweren Taten verhängt werden. 

Ob es dazu komme, hänge vom Einverständnis der Opferfamilien ab, erklärte Staatsanwältin Carol Chambers. Es sei eine Entscheidung, die "sich viele Jahre auf sie auswirke". Die Todesstrafe müsse innerhalb von 60 Tagen nach der Anklageerhebung beantragt werden. Sie wird in dem Bundesstaat äußerst selten verhängt.

Prozess könnte erst in einem Jahr starten

Fernsehbilder zeigten einen jungen Mann mit grell orange gefärbten Haaren, der während der Anhörung anscheinend Mühe hatte, die Augen offen zu halten. Der Mann trug dunkelrote Gefängniskleidung. Holmes verweigerte jegliche Aussage und ließ seine Pflichtanwältin für sich sprechen. Beim Aufstehen musste sie ihn stützen.

Er ist nach Angaben der Staatsanwältin in Isolationshaft. Sie sagte nach der Anhörung, es könne bis zu einem Jahr dauern, bis der Prozess eröffnet werde. Es gebe eine gewaltige Menge an Beweisen, die genau geprüft würden wie in jedem anderen Fall auch.

Obama besucht Überlebende

Zuvor hatte US-Präsident Barack Obama Überlebenden und Angehörigen der zwölf Opfer Trost gespendet. Sie hätten gemeinsam geweint und sich umarmt, sagte Obama nach seinem Besuch im Krankenhaus des Vororts von Denver. "Ich bin zu ihnen weniger als Präsident denn als Vater und Ehemann gekommen", sagte er nach dem mehr als zweistündigen Besuch.

Er habe junge Menschen gesehen, deren Überleben vor 24 Stunden noch unsicher gewesen sei, "und nun sind ihre Augen offen, sie sind wach, sie reden, und dies erinnert einen daran, dass das Leben selbst in den dunkelsten Zeiten weitergeht", sagte Obama.

Auch die Familie des mutmaßlichen Todesschützen meldete sich in der Nacht auf Dienstag zu Wort. "Die Familie möchte bekräftigen, dass sie mit dem Herzen bei den Opfern und deren Familien ist", sagte die Anwältin Lisa Damiani im TV-Sender CNN. Zugleich appellierten die Eltern, der Fall solle vor Gericht und nicht in den Medien entschieden werden. Die Familie halte sich an einem geheimen Ort auf, sagte die Anwältin.

Ladehemmung verhinderte noch mehr Tote

Nach einem Bericht der "Washington Post" hätte James Holmes möglicherweise noch mehr Menschen erschossen, wenn sein Sturmgewehr nicht Ladehemmung gehabt hätte. Mit der halbautomatischen Waffe können laut der Zeitung 50 bis 60 Schuss pro Minute abgefeuert werden. Die Polizei bestätigte den Bericht zunächst nicht.

Tausende Menschen gedachten am Sonntag vor dem Rathaus von Aurora an die Opfer des 24-jährigen Studenten. Das jüngste von ihnen war ein sechsjähriges Mädchen, dessen Mutter schwer verwundet wurde. "Unsere Herzen sind gebrochen, nicht aber unsere Gemeinschaft", sagte Bürgermeister Steve Hogan. Colorados Gouverneur John Hickenlooper weigerte sich, den Namen des Täters zu nennen. Er sprach lediglich von dem "Verdächtigen A", was die Menge mit Applaus quittierte.

Motiv weiter unklar

Der mutmaßliche Täter war kurz nach dem Blutbad hinter dem Kino festgenommen worden. Die Polizei habe ihn erkannt, obwohl er wie ein Mitglied einer Spezialeinheit ausgesehen habe, sagte Polizeichef Dan Oates. Nach Angaben der Behörden bleibt Holmes zu seinem eigenen Schutz derzeit in Einzelhaft. Sein Motiv ist nach wie vor unklar.

Laut den Ermittlern hatte der 24-Jährige in den vergangenen beiden Monaten mehr als 6000 Schuss Munition für Sturmgewehre und Pistolen gekauft. Zudem soll er vor wenigen Wochen versucht haben, einem privaten Waffenclub beizutreten. Weil er jedoch dem Besitzer merkwürdig vorgekommen sei, sei er nicht aufgenommen worden, berichtete der Sender Fox News.

Holmes hatte zudem seine Wohnung mit tödlichen Sprengfallen abgesichert. Nachdem sie entschärft waren, beschlagnahmte die Polizei einen Computer. Berichte des Fernsehsenders CNN, wonach auch eine Batman-Maske gefunden wurde, bestätigte sie zunächst nicht.

 

Zwischenfälle bei "Batman"-Vorführungen

Im US-Staat Maine wurde Polizeiangaben vom Montag (Ortszeit) zufolge ein Mann festgenommen, der "The Dark Knight Rises" gesehen und einen Tag später damit gedroht hatte, einen ehemaligen Mitarbeiter zu erschießen. In Südkalifornien wurde bereits am Sonntag ein Mann während einer Nachmittagsvorstellung des "Batman"-Films in Gewahrsam genommen, nachdem er Augenzeugenberichten zufolge Drohungen geäußert und auf das Blutbad in Colorado verwiesen hatte.

Auf einen Blick

Ein Amokläufer tötete in der Nacht auf Freitag in Aurora (US-Staat Colorado) zwölf Menschen während einer Filmvorführung. Alle zwölf Toten wurden identifiziert.
Unter den Opfern ist auch ein sechs Jahre altes Mädchen, wie die zuständige Gerichtsmedizin mitteilte. Die meisten Opfer waren zwischen 20 und 30 Jahre alt. Der mutmaßliche Amokläufer erschien am Montag erstmals vor Gericht erscheinen.

(APA/dpa/Red.)