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Spaniens Anleihe-Renditen überspringen kritische Marke

Lage Anleihemarkt Spaniens spitzt
(AP Photo/Emilio Morenatti)
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Die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen sind auf eine Rekordhöhe von 7,6 Prozent geschnellt. Die Börsen weltweit reagieren mit hohen Verlusten.

Verschärfte Rezession, steigende Zinsen, pleitebedrohte Provinzen: Die schlechten Nachrichten für Spanien reißen nicht ab. Sie ließen am Montag die Aktienkurse in Madrid auf den tiefsten Stand seit neun Jahren fallen und trieben die Versicherungsprämien gegen einen Zahlungsausfall spanischer Staatsanleihen auf ein Rekordniveau. Trotz der Hiobsbotschaften will die Regierung ihre Euro-Partner nicht um weitere Hilfen bitten.

Die Risikoaufschläge für spanische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren stiegen bis zum frühen Nachmittag auf die neue Rekordhöhe von 7,596 Prozent. Die Marke von sieben Prozent wird als Grenzwert angesehen, ab dem Investoren ein Land in Zahlungsschwierigkeiten sehen. Ein solcher Wert gilt als längerfristig nicht tragbar für einen Staat. Die Börsen weltweit reagierten mit heftigen Kursabschlägen auf neue Negativnachrichten aus Madrid. Auch der Wiener ATX und der Frankfurter DAX waren Montagnachmittag mehr als drei Prozent im Minus.

Treffen mit Schäuble

Finanzminister Luis de Guindos wird am Dienstag in Berlin beim deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble erwartet. Medienbegegnungen sind nicht vorgesehen. Es geht um die Bankenhilfen und eine Beruhigung der Märkte.

Die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone ist nach einer am Montag veröffentlichten Prognose der Notenbank im zweiten Quartal um 0,4 Prozent geschrumpft. Sie beschleunigt damit ihre Talfahrt, zu Jahresbeginn war es um 0,3 Prozent nach unten gegangen. Die wirtschaftliche Misere weckt neue Zweifel an der Stabilität des hoch verschuldeten Landes, da eine schrumpfende Wirtschaft Steuerausfälle bedeutet. Die Kosten für die Versicherung von spanischen Staatsanleihen gegen einen Zahlungsausfall gingen nach oben. Um eine Summe von zehn Millionen Dollar abzusichern, wird inzwischen eine Prämie von 630.000 Dollar fällig. "Für Spanien wird es zusehends kritischer", sagte ein Börsianer.

"Größere Kürzungen, mehr Reformen"

Wirtschaftsminister de Guindos schließt trotz der Misere einen Antrag auf umfassende EU-Hilfen für sein Land aus. Auf die Frage, ob Spanien möglicherweise ganz unter den EU-Rettungsschirm schlüpfen könnte - was mit harten Sparauflagen verbunden wäre -, sagte Guindos: "Absolut nicht." Bisher ist ein Hilfspaket über 100 Milliarden Euro für den kriselnden Bankensektor beschlossen worden, der unter der geplatzten Immobilienblase leidet. Der stellvertretende Notenbankchef Fernando Restoy verlangt ein Festhalten am Reformkurs: "Wir müssen so weitermachen. Wir benötigen größere Ausgabenkürzungen, mehr Reformen, um Vertrauen an den Märkten zurückzugewinnen".

Die Zweifel an der Tragfähigkeit der Staatsfinanzen waren zuletzt gestiegen, weil nach Valencia nun auch Murcia als zweite spanische Provinz die Zentralregierung in Madrid um Finanzhilfen bitten könnte, um sich über Wasser zu halten. Dies kündigte der Präsident der Provinz an der südöstlichen Küste des Mittelmeerlandes, Ramon Luis Valcarcel, in einem am Sonntag veröffentlichten Zeitungsinterview an. "Um ihnen eine Idee zu geben, wir würden um 200 bis 300 Millionen Euro bitten", sagte er.

Die 17 autonomen Regionen Spaniens müssen in diesem Jahr etwa 36 Milliarden Euro ihrer fällig werdenden Verbindlichkeiten refinanzieren und rund 15 Milliarden Euro aufbringen, um ihre Haushaltslöcher zu stopfen. Die Lokalregierungen sind praktisch von den Finanzmärkten ausgeschlossen, da sie die derzeit hohen spanischen Renditen nicht tragen können (>>> mehr dazu).

Schäuble versucht zu beruhigen

Der deutsche Finanzminister Schäuble setzt auf eine Erholung Spaniens. "Das Land wird schnell wieder vorangekommen", sagte er der "Bild"-Zeitung. Mit Hilfe des jüngst beschlossenen europäischen Hilfsprogramms für die spanischen Geldhäuser werde das Bankensystem des Landes wieder stabiler und widerstandsfähiger. "Das schafft neues Vertrauen."

(APA/Reuters/AFP)