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Unschuldige Schuldner

Endlich spricht es einer aus: Schuld an der Eurokrise sind eigentlich die Deutschen.

Die Eurokrise fördert tagtäglich spannende Geschichten zutage. Meist handeln sie von zwölfstelligen Beträgen. Zum Glück sind diese Zahlen so weit außerhalb unseres Vorstellungsvermögens, dass sie ihren Schrecken schnell verlieren. Unter dem Strich, so meinen wir zu verstehen, geht es darum, dass die ans Mittelmeer grenzenden Euroländer mit billigen Krediten aus den nördlichen Euroländern so lange sehr gut gelebt haben, solange sie diese nicht zurückzahlen mussten.

Auch dass der Club Med nun von der deutschen Kanzlerin Angela Merkel auf gut Norddeutsch gepiesackt wird, scheint verständlich zu sein.

Nicht für Hannes Swoboda, den sozialdemokratischen Fraktionsführer im EU-Parlament. Er sieht in einem Interview mit der italienischen Tageszeitung „Il Mattino“ nicht die mediterranen Schuldner als Keim des Übels, sondern Deutschland. Merkels Politik gefährde die Einheit Europas, meint Swoboda und wünscht sich eine EU unter Führung des Franzosen François Hollande, des Italieners Mario Monti und des Spaniers Mariano Rajoy.

Swobodas ökonomisches Szenario liegt zwar ebenfalls weit außerhalb unseres Vorstellungsvermögens. Das bedeutet aber leider nicht, dass es nicht doch Realität werden könnte. Das ist es wohl schon längst.

gerhard.hofer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.07.2012)