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32 Billionen Dollar in Steueroasen?

Symbolbild
(c) EPA (Dennis M. Sabangan)
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Das in Steueroasen liegende Vermögen wurde bisher drastisch unterschätzt, behauptet jedenfalls eine Studie des „Tax Justice Network“. Deren Methodik ist allerdings umstritten.

London/SAT. Auf den Cayman Islands lässt es sich leben. Der südlich von Kuba gelegene Karibikstaat ist nicht nur beliebte Destination für Urlauber, auch das Geld mancher Millionäre hat sich dort niedergelassen. Auf den Inseln sind nämlich keine Steuern zu bezahlen, der Staat finanziert sich nur durch Zölle und Gebühren.

Die Menge an Geld, die in Steueroasen wie den Cayman Islands liegt, wurde bisher deutlich unterschätzt. Das jedenfalls behauptet eine Studie des „Tax Justice Network“. Bis zu 32 Billionen Dollar würden in Steueroasen vor dem Fiskus versteckt, schreibt Studienautor James S. Henry, der ehemalige Chefvolkswirt des Beraters McKinsey. Mindestens seien es aber 21 Billionen Dollar.
Drahtzieher der organisierten Steuerhinterziehung seien, so Henry, vor allem 50 große Privatbanken. Allen voran die beiden größten Schweizer Institute, UBS und Credit Suisse. In welchen Ländern wie viel Geld liegt, geht aus der Studie allerdings nicht hervor. Und da fangen die Probleme auch schon an, wie der Wiener Steuerberater Gottfried Schellmann meint: „Es wurden einfach die Portfolios der Privatbanken zusammengezählt und der Schluss gezogen, das gesamte Geld sei hinterzogen worden“, meint Schellmann. Von den 32 Billionen seien auch Pensionsfonds ein wesentlicher Teil. Und die zahlen alle ihre Steuern, sagt Schellmann.

Entwicklungsländer betroffen

Für Schellmann steht außer Frage, dass Steuerhinterziehung ein Problem ist: „Natürlich gibt es dieses Phänomen.“ Die Dimension in der Studie sei aber maßlos übertrieben. Dabei zieht Schellmann nicht die gesamte Studie in Zweifel. Henry schreibt darin von 7,3 bis 9,3 Billionen Dollar, die von 1970 bis 2010 aus Entwicklungsländern in Steueroasen geflossen sind. „Hier haben wir es ganz klar mit einem großen Problem zu tun“, sagt Schellmann. Die Zahlen für Europa und die Vereinigten Staaten seien aber nicht haltbar. So sitzt fast jeder dritte Investmentfonds nicht deshalb in Luxemburg, um Steuern zu hinterziehen, sondern wegen „regulativer Vorteile“, so Schellmann.

„Hier wird Politik gemacht“

Studienautor Henry sieht neben der unterschätzten Ungleichheit der Vermögensverhältnisse vor allem auch die erodierende Steuerbasis als Problem. Für seine niedrigste Schätzung – 21 Billionen Dollar – kommt Henry so auf einen jährlichen Steuerausfall von mindestens 189 Milliarden Dollar. Für seine Berechnung legte er eine „konservative Verzinsung“ von drei Prozent und einen Steuersatz von 30 Prozent auf Kapitalerträge zugrunde.
Berücksichtigt man die Einwände von Schellmann, dann relativiert sich diese Zahl kräftig. Für ihn ist klar: „Natürlich macht man hier mit übertriebenen Darstellungen Politik.“