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„Das hat in der Dopingszene System...“

Der ehemalige Radprofi Georg Totschnig wurde am Straflandesgericht in Wien vom Vorwurf der falschen Zeugenaussage freigesprochen.

 

 

Er hat stets bestritten, irgendetwas mit Doping zu tun gehabt zu haben. Der Tiroler Georg Totschnig, der am 16. Juli 2005 bei der Tour de France in den Pyrenäen seine erste Tour-Etappe gewonnen hat, dafür auch zu Österreichs Sportler des Jahres gewählt wurde, hat auch bei einer Einvernahme durch die SoKo Doping im September 2009 bestritten, im Sommer 2005 einen Blutbeutel zu Blutdopingzwecken in Empfang genommen zu haben. Der mittlerweile 41-Jährige ehemalige Radprofi blieb auch am Dienstag bei dieser Behauptung. Totschnig wurde letztlich am Straflandesgericht Wien vom Vorwurf der falschen Zeugenaussage freigesprochen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Staatsanwaltschaft hat drei Tage Bedenkzeit erbeten.

Georg Totschnig, der aus österreichischer Sicht Sporthistorisches geleistet, den ersten rot-weiß-roten Etappensieg seit 1931 eingefahren und für die Premiere seines damaligen Teams Gerolsteiner gesorgt hat, trägt also wieder ein weißes Trikot. Der Vorwurf der falschen Zeugenaussage war dadurch entstanden, dass Gerlinde Mayer, Ehefrau von Ex-Langlauftrainer Walter Mayer, gegenüber Beamten der SoKo Doping von einem Blutbeuteltransport gesprochen hat. Ausgangspunkt: Humanplasma in Wien. Ziel: Frankreich, Tour de France. Zielobjekt: Georg Totschnig.

Bereits vor einem Jahr aber hat Gerlinde Mayer in einem Interview ihre vor der SoKo Doping getätigten Aussagen zurückgenommen. „Ich habe nie einen Blutbeutel bei Humanplasma – für niemanden – geholt. Ich war nie in Frankreich, um Totschnig zu treffen.“ Am Straflandesgericht war sie als Hauptbelastungszeugin geladen. Auf die Frage der Richterin Katharina Adegbite-Lewy, ob sie vor der SoKo Doping die Wahrheit gesagt habe, kam ein klares „Nein“.

Gerlinde Mayer sagt, sie sei unter Druck gestanden, ständig von Beamten der SoKo Doping angerufen worden. Und irgendwann einmal wollte sie mit all dem nichts mehr zu tun haben. „Daher habe ich irgendetwas gesagt, um meine Ruhe zu haben.“ Sie könne auch nicht erklären, warum sie das damals ausgesagt hat, sagte Mayer. Und entschuldigte sich bei Georg Totschnig, dass sie ihm geschadet habe. Der Imageschaden aber ist in Wahrheit irreparabel. Ganz nach dem Motto: Irgendetwas wird doch dran gewesen sein an der Sache.

Gerlinde Mayer muss nun selbst mit einem Verfahren rechnen, die Staatsanwältin vermittelte den Eindruck, als ob sie der vermeintlichen Hauptbelastungszeugin nicht ganz Glauben schenkte. „Das hat in der Dopingszene System – die Mauer machen und Aussagen widerrufen.“

Eine Krankenschwester, die zwischen 2003 und 2006 Blutabnahmen überwacht hat, sagte als Zeugin aus, sie könne sich nicht mehr hundertprozentig daran erinnern, ob sie Georg Totschnig in der Plasmapheresestation gesehen hat. Ob Gerlinde Mayer allein dort gewesen sei, wisse sie auch nicht mehr. Geschäftsführer Rudolf Meixner hingegen sagte aus, er habe Totschnig einmal gemeinsam mit anderen Sportlern in den Humanplasma-Räumlichkeiten gesehen.

Doping und Widerspruch halten offenbar eisern zusammen. Beweise einer das Gegenteil.

 

Mail: wolfgang.wiederstein@diepresse.com

Auf einen Blick

Das olympische Fußballturnier der Herren beginnt am Donnerstag, einen Tag vor der Eröffnungsfeier. Titelverteidiger Argentinien konnte sich nicht für London qualifizieren. Als heißeste Goldkandidaten gelten Brasilien und Spanien. Die Südamerikaner konnten aber noch nie Fußball-Gold holen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.07.2012)