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Beschneidung: Meinung der Länder gespalten

Symbolbild: Eine Beschneidung in Indonesien
Symbolbild: Eine Beschneidung in Indonesien(c) AP (Dita Alangkara)
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Nun gibt es auch in Österreich eine Diskussion über die religiös motivierte Beschneidung. Während Kärntens Landeshauptmann von "Verstümmelung" spricht, sind andere Bundesländer gegen ein Verbot.

Das Urteil eines Kölner Gerichts, das in Beschneidungen eine strafbare Körperverletzung sieht, sorgt seit vergangener Woche auch in Österreich für Debatten. Kritiker fordern ein Verbot, im Justizministerium betont man die Straffreiheit, auch die Parteien sehen überwiegend keinen gesetzlichen Änderungsbedarf.

In den Bundesländern ist die Situation verschieden. In den meisten Landeskliniken werden Beschneidungen nur aus medizinischen Gründen durchgeführt. Ein Verbot wird ambivalent gesehen. In Känten spricht der Landeshauptmann von "Verstümmelung", die in Europa nichts verloren habe. Aus anderen Bundesländern hört man diverse Argumente gegen ein Verbot.

NÖ: In Landesspitälern kein Thema

Die niederösterreichische Landeskliniken-Holding verweist auf eine Aussage von Primarius Eckart Breinl von der Urologischen Abteilung des Landesklinikums St. Pölten im "Kurier" von Anfang Juli, wonach Beschneidungen nur vorgenommen werden dürfen, wenn es dafür eine "medizinische Notwendigkeit" gebe. 2011 seien in Niederösterreich rund 2000 derartige Eingriffe bei allen Altersklassen durchgeführt worden. Eingriffe aus religiösen Gründen seien in den landeseigenen Spitälern kein Thema. In einzelnen anderen Krankenhäusern werden Beschneidungen allerdings durchgeführt.

Tirol: Nur in Ausnahmefällen

In Tirol ist die Lage ähnlich: "In den drei urologischen Abteilungen der Tilak-Häuser werden Beschneidungen nur aus medizinischen Gründen durchgeführt", hieß es. Rituelle Beschneidungen, welche sich auf fünf bis sechs pro Jahr beliefen, würden in Ausnahmefällen einzig an der Kinderchirurgie in Innsbruck durchgeführt. Die Verantwortung liege dabei beim Arzt. Würden Eltern auf eine Beschneidung bestehen, sei es besser, diese im Krankenhaus durchzuführen und nicht von unqualifizierten Personen.

Der Tiroler Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (ÖVP) übertrug die Verantwortung an Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ), der österreichweit "einheitliche Standards zum Thema Beschneidung festzulegen" habe.

Burgenland: Kein Geld für rituelle Beschneidungen

Aus dem Burgenland hieß es dazu im Büro von Gesundheitslandesrat Peter Rezar (SPÖ), dass in den Krankenanstalten "ausschließlich medizinisch begründete" Beschneidungen durchgeführt werden. "Operationen aus traditionellen und rituellen Gründen fallen nicht in das Leistungsspektrum der gesetzlichen Krankenversicherung und werden von ihr auch nicht bezahlt", so Rezar.

Wien: Kein Anlass für Verbot

Gelassener sieht man die Angelegenheit offenbar in der Bundeshauptstadt Wien. In den städtischen Spitälern werden aus religiösen Gründen pro Jahr rund 15 Beschneidungen durchgeführt. Das teilte ein Sprecher von Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) am Mittwoch mit. Einen Anlass, diese Eingriffe zu verbieten, sieht man nicht, wie betont wurde. Für die Zulässigkeit seien das Gesundheits- und das Justizministerium zuständig. Dass es dort entsprechende Bedenken gebe, sei nicht bekannt.

Kärnten: "Gegen Genitalverstümmelung"

Kärntens Landeshauptmann Gerhard Dörfler (FPK) fordert ein Verbot der religiös motivierten Beschneidung durch die Bundesregierung. "Ich bin generell gegen jede Art von Genitalverstümmelung", so Dörfler. Zwischen der Beschneidung von Mädchen und Buben gibt es für ihn keinen Unterschied. Die mit Religion und Tradition begründete "Verstümmelung" habe in Europa nichts verloren. "Die Menschheit hat sich weiterentwickelt. Junge Menschen sind zu schützen."

In der zuständigen Abteilung am Klinikum Klagenfurt prüft man derzeit die Rechtslage, wie Gabriele Gritsch-Olipp, Fachärztin für Kinder- und Jugendchirurgie mitteilte. Bis die gesetzliche Situation vollständig geklärt ist, sei man bei der Annahme von Beschneidungsterminen "sehr zurückhaltend". Pro Woche werden am Klinikum zwei bis drei Beschneidungen durchgeführt. Wie viele davon medizinisch bedingt und wie viele religiös motiviert sind, konnte die Ärztin nicht genau sagen.

Salzburg: Ausdrücklich gegen Verbot

Anders als ihr Kärntner Kollege sprach sich die Salzburger Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) ausdrücklich gegen ein Verbot aus. Sie sprach von einem Dilemma: Einerseits gehe es um die körperliche Integrität von Kindern, andererseits um einen "zwingenden Bestandteil" von Religion. "Ich sehe das selbst sehr kritisch", meinte sie. Ein Verbot würde aber dazu führen, dass die Eingriffe "unter fragwürdigen hygienischen Bedingungen durchgeführt werden." Auch wer Beschneidungen ablehne, könne nicht wollen, "dass sie weg von medizinischem Fachpersonal in den 'Hinterhof' verlagert werden".

An den Salzburger Landeskliniken werden derzeit übrigens keine religiös motivierten Beschneidungen durchgeführt, die Frage nach einem Verbot stelle sich daher nicht, so Burgstaller.

Vorarlberg: Landeshauptmann rät ab

Rechtliche Unklarheiten sieht man in Vorarlberg: Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) hatte daher bereits am Dienstag den Ärzten geraten, von Eingriffen aus religiösen Gründen abzusehen, bis die gesetzliche Lage eindeutig geklärt sei.

Keine Termine mehr in Graz

In der Steiermark wurden religiös motivierte Beschneidungen bisher nur an der Grazer Kinderchirurgie durchgeführt. Dort will man aber bis zur Festlegung österreichweit einheitlicher Regelungen keine Termine mehr annehmen. Gesundheitslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder (ÖVP) äußerte sich dazu am Mittwoch vorsichtig: Sie stelle sich hinter die Vorgangsweise des Grazer Klinikums, prinzipiell sei es eine klinische und juristische und weniger eine politische Frage, die zu klären sei.

(APA)