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„Heiße Aktie Ukraine": Österreichische Firmen warten lieber ab

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Die Ukraine gilt als vielversprechender Markt, vor dem dennoch viele zurückschrecken, vor allem wegen der grassierenden Korruption und rechtlicher Bedenken.


Wien/Kiew. Unter den vielen Publikationen, die das Außenwirtschaftscenter in Kiew auf seiner Homepage führt, heißt eine „Korruption - ein vermeidbares Übel". Auf mehreren A4-Seiten werden dort Unternehmer gewarnt: Durch Korruption setze man sich möglichen Schadenersatzforderungen aus, mache sich erpressbar und strafbar, auch in Österreich.

„Der Bericht scheint in allen Online-Länderprofilen der Österreichischen Wirtschaftskammer auf", beruhigt Gregor Postl, Handelsdelegierter der Österreichischen Wirtschaftskammer, es sei also kein Ukraine-spezifisches Feature. Die Daten internationaler Beobachter würden aber zumindest nicht dagegen sprechen: Laut Transparency International liegt die Ukraine im Korruptionswahrnehmungsindex 2011 auf Platz 152 von 182 Ländern. Dieselbe schlechte Platzierung nimmt das Land im „Doing Business"-Index ein.

Viel Überzeugungsarbeit nötig

Postl leitet seit fünf Jahren in Kiew das Außenwirtschaftscenter. Seinen Job könnte er „ohne Humor" nicht machen, sagt er. Und dabei stünde er ja nur „in der zweiten Reihe" - an vorderster Front seien die in diesem Markt tätigen österreichischen Unternehmer.
Den größten Teil der österreichischen Investitionen macht der Finanz- und Dienstleistungssektor aus, wobei die Banken schwierige Jahre hinter sich haben. Die Tochter der Erste Bank etwa machte 2011 noch immer 23,1 Mio. Euro Verlust. Auch Versicherungen wie Uniqa oder die Vienna Insurance Group sind in der Ex-Sowjetrepublik aktiv - Letztere nimmt auf dem zersplitterten Markt mit drei Prozent Marktanteil den vierten Rang ein. Das Geschäft läuft gut, aber es ist auch noch viel Überzeugungsarbeit nötig. „Viele Menschen denken nur daran, wie sie den morgigen Tag überstehen, nicht, was in fünf Jahren ist", sagt Postl. Im Bereich Landwirtschaft sind die Österreicher noch nicht sehr aktiv: Nur Pfanner und Agrana pressen aus ukrainischem Obst Fruchtsaftkonzentrate. Im Bereich Alternativenergie und Müllmanagement sieht der Handelsdelegierte Wachstumspotenzial. Ebenso in der „wenig berauschenden", aktuell rückläufigen Handelsbilanz: Im ersten Drittel des laufenden Jahres standen 208 Mio. Euro an Exporten 287 Mio. Euro an Importen aus der Ukraine gegenüber.

Dass sich auch bei Direktinvestitionen in der Ukraine (Österreich: fünfter Platz) nicht viel bewegt, liegt an den ungünstigen Rahmenbedingungen: „Das Geschäftsklima hat sich leider nicht wirklich verbessert", sagt Postl. Die Verzögerung des EU-Freihandelsabkommens und der umstrittene Prozess gegen Ex-Premierministerin Julia Timoschenko und ihre siebenjährige Haftstrafe haben in Investorenkreisen Beunruhigung über rechtliche und politische Risiken ausgelöst. Apropos Risiko. Die Ukraine lasse sich mit einer „heißen Aktie mit Risikopotenzial" vergleichen: Bevor man so ein Papier kaufe, müsse man es eben gut analysieren. „Da entscheiden sich viele lieber für ein Sparbuch" - also für ein weniger gefährliches Land.
Und wie geht Postl bei Investorengesprächen mit dem leidigen Thema Korruption um? Die Antwort fällt nicht so eindeutig aus wie in der Wirtschaftskammer-Broschüre: „Ich rate davon ab", sagt Postl. Die Realität sei allerdings so: „Entweder es dauert länger - oder man orientiert sich an den landesüblichen Sitten und Gebräuchen."