Irland gefragter als Italien

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Für fast alle Laufzeiten zahlt Irland geringere Renditen als Italien. Für Italien schätzt die EU das Defizit auf zwei Prozent. Experten orten eine Marktstörung.

Frankfurt/Bloomberg. Irland hält sich seit 2010 mithilfe von Rettungskrediten über Wasser. Fünf Banken mussten verstaatlicht werden, und das Haushaltsdefizit des Landes wird laut EU-Prognosen heuer mehr als acht Prozent der Wirtschaftsleistung betragen. Für Italien schätzt die EU das Defizit auf zwei Prozent. Auch musste der Staat kein Bankinstitut übernehmen. Dennoch zeigen die Anleihemärkte, dass die Anleger Irland eher vertrauen als Italien: Erstmals seit 2009 sind die Renditen irischer Staatsanleihen fast über alle Laufzeiten hinweg unter diejenigen ihrer italienischen Pendants gefallen.

Spanien setzt Italien zu

„Italien bekommt die Ansteckung aus Spanien zu spüren“, sagt Cyril Regnat, Stratege für festverzinsliche Anlagen bei Natixis in Paris. „Aber man muss auch berücksichtigen, dass die Märkte derzeit nicht ganz normal sind.“

Neunjährige italienische Bonds rentieren bei 6,62Prozent, für irische Anleihen beträgt der Vergleichswert 6,34Prozent. Doch Irland leiht sich seit 20 Monaten von den EU-Partnern zu Vorzugskonditionen Geld. Die Kurse am Markt lassen außer Acht, was das Land zahlen müsste, wenn es wie Italien auf die Finanzierung am Markt angewiesen wäre, sagt Guillaume Menuet, Leiter der Analyse Westeuropa bei der Citigroup in London.

Die Tatsache, dass die irischen Renditen niedriger sind als die italienischen, sei ein Beleg für eine Marktstörung, argumentiert Erik Nielsen, Chefvolkswirt weltweit bei UniCredit in London.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.07.2012)

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