Schlecker Österreich: Das Geld reicht noch eine Woche

Schlecker oesterreich Geld reicht
Schlecker oesterreich Geld reichtThomas Lohnes/dapd
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Der Drogeriekette droht ohne raschen Verkauf die Pleite. Die Zahl der Interessenten ist inzwischen deutlich geschrumpft.

[Wien] Seit Wochen verhandelt Arndt Geiwitz, der Masseverwalter der insolventen deutschen Drogeriemarktkette Schlecker, über einen Verkauf der Österreich-Tochter. Bisher ohne Ergebnis. Die Pleite von Schlecker Österreich mit 900 Geschäften und 3000 Mitarbeitern wird daher immer wahrscheinlicher. "Anfang August geht Schlecker Österreich das Geld aus", umreißt Wolfgang Hrobar vom Alpenländischen Kreditorenverband (AKV) die angespannte Liquiditätslage. Schon jetzt würden Waren nur gegen Bargeld geliefert. "Wenn in den nächsten Tagen keine Entscheidung fällt, ist der Konkurs nicht mehr zu verhindern."

Der Knackpunkt: Geiwitz, der über die Investmentbank Rothschild Interessenten sucht, will beim Verkauf jenen 28-Millionen-Euro-Warenkredit einspielen, der der Österreich-Tochter gewährt worden ist. Die Käufer, deren Zahl inzwischen deutlich geschrumpft ist, wollen aber nicht annähernd so viel Geld auf den Tisch legen. Neben dem Linzer Finanzinvestor Recap um Anton Stumpf ist die MTH-Gruppe von Josef Taus interessiert. Taus will allerdings nur rund 100 Filialen übernehmen, nachdem er gerade 100 Filialen der ebenfalls insolventen deutschen Schlecker-Tochter "IhrPlatz" gekauft hat.

Ex-DM-Manager Manfred Laaber sucht noch Financiers. Und die Gespräche mit dem Sanierer Erhard Grossnigg sind eingeschlafen. Grossnigg kritisiert, dass die von Rothschild bislang bereitgestellten Unterlagen so dürftig seien, dass auf dieser Basis kein verbindliches Offert möglich sei.

Stumpf-Angebot abgelehnt

Auch mit Stumpf spießt es sich. „Unser Angebot wurde mit dem Hinweis, es entspreche nicht den Erwartungen, abgelehnt", sagt Anton Stumpf. Er habe als einziger für das ganze Unternehmen ein Angebot gelegt. Es sei zwar unter 20 Millionen Euro gelegen, allerdings mit der Option, nachzubessern, falls das Geschäft besser laufe. Stumpf würde 600 der 900 Filialen übernehmen sowie die zu Schlecker Österreich gehörenden Niederlassungen in Polen und Italien.

Für Hrobar und auch Creditreform-Chef Harald Weinhofer zeichnet sich ein Alternativ-Szenrario ab, das sie gut kennen: Die Käufer warten auf den Konkurs. Dann habe zwar der Masseverwalter das Sagen, ein Käufer müsse aber nicht die bestehenden Arbeitsverträge übernehmen. Die Gehälter und Abfertigungsansprüche der Beschäftigten zahlt dann der Insolvenzentgeltsicherungsfonds (IEF).
Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass Geiwitz das Warenlager und andere Assets verkauft und die Firma liquidiert. In diesem Fall wären die 3000 Arbeitsplätze komplett verloren.

Der IEF rüstet jedenfalls schon auf einen Zusammenbruch des Unternehmens, die nach Schätzungen von IEF-Geschäftsführer Wolfgang Pfabigan den Fonds gut zehn Mio. Euro kosten könnte. "Wir haben ausreichend offene Kreditlinien", sagt Pfabigan.

Der IEF, der allein von den Arbeitgebern (sie zahlen 0,55 Prozent der Lohnsumme) gespeist wird, hat aus insolvenzintensiven Jahren Verluste angehäuft und ist deshalb auf Kredite angewiesen. Das Vorjahr fiel mit Einnahmen von 485 Millionen Euro und Ausgaben von 476 Millionen Euro knapp positiv aus. An Beschäftigte flossen allerdings nur 103 Millionen Euro. Zum Ärger der Gläubigerschutzverbände wird der IEF nämlich auch für die betriebliche Lehrlingsausbildung des Staates herangezogen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.07.2012)

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