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Silhouette: Eine Designerbrille auf dem Weg ins Weltall

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Hochpreisige Brillen ohne Rand – in diesem Segment hat sich die Linzer Brillenmanufaktur Silhouette positioniert. Mehr als zwei Millionen Stück verlassen das eigentümergeführte Unternehmen jährlich.

Linz. Am Anfang ist der Metalldraht, am Ende die Brille. Dazwischen sitzen Frauen vor Maschinen. Sie arbeiten an einem kleinen Produktionsschritt. Das fertige Teil wird in eine Kiste gelegt, dann kommt das nächste, dann das nächste. Am Ende ist die Kiste voll. Es sind Prozesse, die Stunden dauern. Am Ende werden es 150 bis 300 Arbeitsschritte, oder sechs bis 22 Wochen sein, bis eine Brille entstanden ist.

Der Großteil der Brillen, die das Linzer Unternehmen Silhouette herstellt, geht über die Grenze, der Exportanteil liegt bei 95 Prozent. Geliefert wird in mehr als 90 Länder weltweit, nach Deutschland, Spanien aber auch in die USA – den mit Abstand größten Markt. Genau darauf ist Miteigentümer Arnold Schmied besonders stolz. Vor allem, weil „Qualität in den USA nicht unbedingt an erster Stelle steht, genauso wenig wie das hochpreisige Segment“. International gesehen sei man freilich ein kleiner Betrieb, mit einem Marktanteil von „vielleicht zwei Prozent“.

Weltweit dominiert der italienische Luxottica-Konzern die Branche. Unter seinem Dach sind bekannte Marken wie Ray-Ban oder Oakley vereint. Weil man weitaus kleiner sei und in Österreich produziere, müsse man die „Dinge im Gegensatz zur Konkurrenz einfach anders machen“, sagt Schmied. „Anders“ heißt etwa, sich im Hochpreissegment zu positionieren und „eine andere Designsprache zu sprechen, wie auch ein anderes Verkaufsverhalten zu entwickeln“, sagt Schmied. „Weil wir preislich sehr hoch liegen, verstehe ich aber, dass wir nicht jeden mit unseren Produkten bedienen können.“ Eine Fassung von Silhouette kostet beim klassischen Optiker im Schnitt 300 Euro. Gläser noch nicht inkludiert.

Söhne führen das Unternehmen

Neben dem Standort in Linz produziert Silhouette auch in Tschechien. Rund 300 Beschäftigte sind dort für das Unternehmen tätig, Eine „Billiggeschichte“ sei das deswegen aber nicht. Wegen der niedrigeren Lohnkosten haben man jedoch bestimmte manuelle Tätigkeiten ausgelagert. Komplett abzuwandern kommt für Schmied aber nicht infrage. „Bei uns gibt es einfach so viele wichtige und teure Dinge, wie bestimmte Hightechverfahren. Ein wesentlicher Teil der Fertigung wird daher immer hier sein.“ Und weiter: „Ich denke, wir haben jetzt eine gute Mischung mit den Werken in beiden Ländern gefunden.“ In Summe beschäftigt Silhouette 1500 Mitarbeiter.


Den Grundstein für das Unternehmen legten Anneliese und Arnold Schmied im Jahr 1964. Schon seit vielen Jahren halten zwei von vier Kindern, die Söhne, Arnold und Klaus, das Szepter bei Silhouette in der Hand, wobei das Unternehmen der ganzen Familie gehört. Während der eine Bruder für Verkauf und Marketing zuständig ist, kümmert sich der andere um Technik und Finanzen.
In die Fußstapfen der Eltern zu treten sei eine schöne Sache gewesen, sagt Arnold Schmied. Auch wenn sich diese zu Beginn durchaus eingemischt hätten. Übel nehmen könne man ihnen das aber nicht. „Außerdem ist es mit der Zeit immer besser geworden.“ Heute gibt es in der Familie bereits neun Enkelkinder. Ob sie eines Tages den beiden Brüdern nacheifern werden, ist freilich unklar. Dazu zwingen werde man sie aber nicht.

Mit der Nasa im All

Der Durchbruch gelang Silhouette jedenfalls unter der Ägide der Kinder, mit einer Fassung namens „Titan Minimal Art“. Ein randloses Modell, ohne Schrauben und Scharniere, dessen Gewicht nicht einmal zwei Gramm beträgt. Das Stück hat sich mittlerweile mehr als neun Millionen Mal verkauft. Heute produziert der Linzer Betrieb 10.000 Brillen täglich, in Summe sind es (gemeinsam mit der Lizenzmarke Adidas Eyewear) 2,2 Millionen im Jahr. Auch Sonnenbrillen, die bei Silhouette „unterbelichtet“ seien, wie Schmied es ausdrückt, wolle man nun forcieren. „Wir wollen uns insbesondere dort verstärken, wo Leute eine optische Sonnenbrille brauchen. Ich glaube, da haben wir die Kompetenz dazu.“

Auf eines ist der Vorstand jedenfalls ganz besonders stolz: dass die Brillen der Firma mit mehr als 30 Missionen der Nasa ins All geflogen sind. Der zuständige Optometrist sei über unsere Brillen gestolpert. „Es gibt fast kein Produkt, das mit der Nasa unverändert ins All fliegen konnte. Unseres hingegen schon.“ Das sei eine Auszeichnung, wie man sie sonst nicht haben könnte.