Der Industrie-Kaiser übergibt den Hof

Albert Hochleitner ist der personifizierte Wirtschafts-Absolutismus.

WIEN. Krasser könnte der Wechsel an der Spitze von Siemens-Österreich nicht sein: Dem absolutistischen Herrscher Albert Hochleitner folgt eine Frau aus dem Volk. Das klingt fast nach Revolution.

Dass im Siemens-Konzern mit 65 Jahren Schluss ist, gilt als ehernes Gesetz. Daran musste sich selbst Heinrich von Pierer halten, der Anfang 2005 von der Spitze des Weltkonzerns zurücktrat. Und doch schien es, als gelte dieses Gesetz für Hochleitner nicht. Sein 65. Geburtstag näherte sich, von einer Hofübergabe war keine Rede. Vielmehr wurde gemunkelt, Hochleitners Vertrag werde verlängert. Hatte er doch mit der Übernehme der VA Tech den größten Coup seiner Karriere gelandet. Eine Verlängerung als Dankeschön. . .

Es ist nichts daraus geworden. Denn der VA-Tech-Deal überstrahlt in letzter Minute eine ruhmreiche Managerkarriere, die in den letzten Jahren doch den einen oder anderen Kratzer abbekommen hat. Zu sicher war sich der begnadete Netzwerker, der seit 1994 Siemens-Chef in Österreich ist, dass sein Unternehmen bei Großprojekten nicht übergangen werden könne. Seine guten Kontakte in die SPÖ halfen, so lange die Sozialdemokraten den Bundeskanzler stellten. Mit der politischen Wende waren Großaufträge plötzlich keine Selbstverständlichkeit mehr. So ging Siemens bei der Lkw-Maut leer aus. Noch schlimmer war der Flop bei der Errichtung des Behördenfunknetzes Adonis. Da hatte Siemens den 310-Mrd.-Euro-Auftrag in der Tasche, und verlor ihn nach einem Zerwürfnis mit dem Innenminister.

Am 13. Dezember übergibt Hochleitner an die bodenständige Brigitte Ederer.


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