Der Weinprophet aus Langenlois

Willi Bründlmayer. Nominiert als "Österreicher des Jahres" - Kategorie Wirtschaft.

Die Auszeichnungen sind Legion, Willi Bründlmayer freut sich vor allem über die Auszeichnungen, die er von seinen Kunden erhält. "Ein paar nette Zeilen, dass der Wein geschmeckt hat" seien ihm die liebsten Ehrungen. Trotzdem: An eine Auszeichnung denkt der renommierte Winzer aus Langenlois noch immer gerne zurück: "Es passierte, als der Weinskandal 1986 auf dem Höhepunkt war", erzählt er. In jener Zeit, in der vor allem die ausländischen Medien den österreichischen Wein verdammten, trat Bründlmayer mit einem Chardonnay in Italien bei einer großen Weinmesse an. "Der Chardonnay 1985 wurde zum besten Chardonnay der Welt gekürt", erinnert der Winzer.

Seit 1981 lenkt Willi Bründlmayer die Geschicke des bekannten Weinguts im niederösterreichischen Langenlois. Was den 53-jährigen dreifachen Familienvater von anderen Top-Winzern abhebt, sind nicht nur sein "Grüner Veltliner Lamm", der "Riesling Heiligenstein" oder sein "Chardonnay". Bründlmayer vereint Tradition und Weitsicht in gleichem Maße. Tradition: Das beginnt schon in der Nachkriegszeit. Bründlmayers Vater zählte zu den Qualitäts-Pionieren unter Österreichs Weinbauern. Jede einzelne Weinflasche aus dem Hause widerspiegelt diese Tradition. Keine Modenamen oder Kunst-Bezeichnungen zieren das Etikett. Sorte, Riede, Jahrgang. Das zählt. Kein abstraktes Marketing. "Dafür können wir zu jedem unserer Weine eine Geschichte erzählen."

70 Hektar Weingärten bewirtschaftet er. Das Unternehmen beschäftigt 20 Mitarbeiter, zur Erntezeit sind weitere 20 Saisonarbeiter im Einsatz. Das Weingut produziert jedes Jahr etwa 300.000 Liter Wein und erzielt einen Umsatz von drei bis vier Millionen Euro. Längst setzt Bründlmayer auch auf den Export. Deutschland, Schweiz und Tschechien zählen zu den wichtigsten Märkten, aber auch England, die USA und Japan beliefert der Weinhauer.

Zurück zur Tradition: Dazu zählen natürlich auch die alten Terrassen, etwa auf dem Heiligenstein. Dort gedeihen die erlesensten Bründlmayer-Weine. Derzeit sind das noch Grüner Veltliner und Riesling.

Noch. Denn Tradition ohne Blick in die Zukunft habe wenig Wert, meint Bründlmayer. Und der unternehmerische Weitblick des Langenloisers orientiert sich nicht an Winzer-, sondern an Rebstock-Generationen. "Die ältesten Rebstöcke in unseren Weingärten sind 80 Jahre alt", erzählt Bründlmayer. Wenn er heute junge Reben pflanzt, stellt er sich die Frage: Welche Rebsorte hat die Chance, auch in 80 Jahren noch guten Wein hervorzubringen?

Bründlmayer war wohl der erste Winzer in Österreich, der auf die Klimaerwärmung reagierte. "Wir dokumentieren seit 1950 den Beginn der Wein-Blüte. In den vergangenen Jahren blühte der Wein immer früher", sagt er. "Wir müssen jetzt Vorkehrungen für einen langfristigen Geschäftserfolg treffen", betont er und meint: "Entweder wir sorgen in den Weingärten für genügend Beschattung, oder wir wechseln die Weinsorte." Die Vorstellung von "überdachten" Weingärten, wo die Reben vor allzu intensiver Sonneneinstrahlung (und Hagel) geschützt werden, mutet sonderbar an. Bründlmayer setzt auf hitzebeständige Reben. Auf Rotwein. Auf dem Heiligenstein hat er bereits Cabernet-Franc-Reben ausgepflanzt.

"Jetzt ist es bei uns für Rotwein noch zu kühl", sagt Bründlmayer. Aber in zehn bis 20 Jahren? "Da werden für Rotwein in Langenlois die idealen Bedingungen herrschen", prophezeit Bründlmayer. Bis dahin wird sich seine Weitsicht wohl längst in Tradition verwandelt haben. 2 a


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