Weltenergieverbrauch erreicht Spitzenwert

BP-studie. Nachfrage ist 2004 in China sprunghaft gestiegen, höchste Zuwachsraten bei Kohle.

Wien. Das starke Wachstum der Weltwirtschaft hat im vergangenen Jahr auch zu einem rasanten Anstieg des weltweiten Energieverbrauchs geführt. Er ist um 4,3 Prozent gestiegen - das ist die höchste Zuwachsrate seit zehn Jahren. Überdurchschnittlich stark hat der Energieverbrauch in Asien, im Mittleren Osten sowie in Südamerika zugenommen. Unter den Energieträgern gab es die größten Zuwächse bei Kohle, und auch Kernenergie wurde nach vorübergehenden Rückgängen wieder verstärkt nachgefragt (siehe Grafiken). Dies geht aus dem neuen "Statistical Review of World Energy" des Mineralölkonzerns BP für das Jahr 2004 hervor. Seit mehr als 50 Jahren publiziert der Konzern jährlich umfassendes Datenmaterial über Energiereserven, -Verbrauch und -angebot.
[*] Rohöl: Angesichts kontinuierlich steigender Ölpreise - in den USA nähern sie sich wieder der 60-Dollar Marke - konzentriert sich der neue BP-Bericht vor allem auf die Situation an den Rohölmärkten. Bei diesem Energieträger habe es mengenmäßig den höchsten Zuwachs seit dem Jahr 1976 gegeben, heißt es: Der Verbrauch erhöhte sich täglich um rund 2,5 Mill. Barrel (zu 159 Liter). Weltweit stieg der Ölverbrauch um 3,4 Prozent auf 80,8 Mill. Barrel. Allein China brachte es auf einen um 16 Prozent höheren Verbrauch - täglich wurden dort 900.000 Barrel mehr nachgefragt. Allerdings weist BP darauf hin, dass sämtliche Regionen der Welt mehr vom "schwarzen Gold" verbrauchten. Die weltweite Ölproduktion lief dementsprechend auf vollen Touren: Erstmals überschritt sie die Marke von 80 Mill. Barrel. Davon steuerte die Opec einen Anteil von 41 Prozent bei, das Ölkartell lieferte um 7,7 Prozent mehr Rohöl als im Jahr davor. Unter den Nicht-Opec-Ländern war Russland führender Öl-Lieferant mit einem Weltmarktanteil von 14,4 Prozent. Der Output des Landes stieg um 8,8 Prozent.

Wie BP-Chef Lord Browne of Madingley im Vorwort des Berichts ausführt, hat die hohe Öl-Nachfrage zwar die frei verfügbaren Produktionskapazitäten deutlich von drei Mill. auf eine Mill. Barrel täglich reduziert. Von Ölknappheit kann aber dennoch nicht die Rede sein: Die weltweit nachgewiesenen Ölreserven belaufen sich immer noch auf 1,2 Billionen Barrel - was noch für gut 40 Jahre reicht.
[*] Kohle: So sehr die Entwicklung der Ölmärkte die Welt auch in Atem hält - die höchsten Verbrauchszuwächse gab es bei einem anderen Energieträger: Der weltweite Bedarf an Kohle stieg 2004 um 6,3 Prozent. Und wieder war es China, das am stärksten zu dieser Entwicklung beitrug: Laut BP sind drei Viertel der Kohle-Zuwächse auf den hohen Verbrauch in China zurückzuführen. Hohe Nachfrage gab es aber auch in Indien, Russland und den USA - in Europa ist sie rückläufig.
[*] Kernenergie: Ein "Comeback" feierte 2004 die Kernenergie. 2003 hatte es hier noch einen Rückgang gegeben, 2004 allerdings stieg der Verbrauch wieder um 4,4 Prozent. Die Hälfte dieses Zuwachses geht auf das Konto Japans. Auch in den USA ist mehr Kernenergie produziert worden, so der BP-Bericht.
[*] Erdgas: Den geringsten Zuwachs unter allen Energieträgern gab es 2004 bei Erdgas. Allerdings wuchs der Verbrauch mit plus 3,3 Prozent deutlich höher als in den vergangenen zehn Jahren, in denen der Durchschnitt 2,3 Prozent ausmachte. Die Nachfrage nach Erdgas stieg am stärksten in Russland, China und dem Mittleren Osten.

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