Der österreichische Schwimmer plaudert in der Sendung "Frühstück bei mir" offenherzig über Hermann Maiers Gehirnschmalz, Sex im Olympischen Dorf, seine Hochzeit und den Weg zum "offiziellen Juden".
Markus Rogan hat zwei Tage vor seinem ersten Einsatz bei den Olympischen Sommerspielen in London, der 4 x 200-m-Kraulstaffel am Dienstag, in einem aufgezeichneten Ö3-Interview für die Sendung "Frühstück bei mir" für Aufregung gesorgt. Der 30-Jährige äußerte sich nicht nur über seine bevorstehende Verlobung, sondern auch über seine Konversion. Rogan möchte für seine künftige Frau, die US-Amerikanerin Leanne Cobb, dem Judentum beitreten und absolviert bereits einen Kurs.
Gute Sportler haben nicht viel Kopf
Nicht viele Freunde hat sich Rogan womöglich mit seiner Einschätzung gemacht, wonach man als weniger denkfähiger Sportler mehr erreichen könne. "Ich glaube, es ist ein Riesenvorteil, wenn du weniger denkfähig bist. Es gibt einen guten Grund, warum die richtig guten Sportler nicht viel im Kopf haben, weil da ist der Kopf nicht im Weg", verblüffte Rogan und stellte im Anschluss die Frage: "Warum hat der Armin (vermutlich Assinger, Anm.), der relativ schlau ist, nur vier (Rennen, Anm.) gewonnen und der Hermann (Maier, Anm.) 50?"
Auf die Frage, ob Hermann Maier dies nicht als Beleidigung empfinden könne, antwortete Rogan: "Nein überhaupt nicht. Er hat genau das richtige Gehirnschmalz, um sportlich erfolgreich zu sein. Ich glaube, wenn man zu viel hat, dann steht man sich sehr, sehr im Weg."
Reaktionen: "Nötig wie ein Kropf"
Dass Rogan Ski-Legende Hermann Maier sinngemäß als nicht besonders intelligent bezeichnet hat, sorgte am Montag für einige Kritik. Karl Stoss, Präsident des Österreichischen Olympischen Komitees, sagte dem ORF, dass die Äußerungen "nötig wie ein Kropf" und "äußerst ärgerlich" seien. Jetzt solle Rogan einmal sportliche Leistungen in London bringen, dann werde man sich an einen Tisch setzen und die Angelegenheit ausreden. Ob es Sanktionen für den Fahnenträger des ÖOC-Teams gibt, "werden wir sehen", so der ÖOC-Boss.
Relativ locker nahm es Maiers langjähriger Mentor, der Präsident des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV), Peter Schröcksnadel. Er glaube, das sei eine "Dummheit" von Rogan gewesen. Es sei auch "sehr gefährlich", zu Claudia Stöckl in die Sendung "Frühstück bei mir" zu gehen, in der Rogan seine Sager abgelassen hatte. Scheinbar ist Rogan, seine Neigung zum Skandal auch bewusst. Im April gab er dem "Seitenblicke"-Magazin ein Interview, indem er erzählte, dass er seit "geraumer Zeit in Therapie" ist, weil er so ein "Drama-King" sei. Er lerne dadurch, dass sich die Welt auch ohne Rogan genauso schnell dreht.
Liebe im Olympischen Dorf
In dem Ö3-Interview sprach Rogan außerdem über die kolportierten, intensiven sexuellen Begegnungen im Olympischen Dorf: "Ich glaube, du hast nur ein bestimmtes Konto an Disziplin. Dann rennen lauter solche Spinner herum, natürlich finden sich Paare sehr schnell und sehr leicht", sagte Rogan, der aber versicherte: "Ich werde dort mit niemanden außer meiner Freundin schlafen, aber vor dem Rennen bin ich abstinent." Der meiste Sex passiere, nachdem die Sportler fertig sind. "Vorher ist man so eiskalt fokussiert, nachher komplett entspannt - freizügig sozusagen. Du musst nur durch das Dorf spazieren. Am letzten Tag sind 95 Prozent der Sportler fertig, die kommen dann zum Sonnenaufgang nach Hause. Gehen können da eher wenige, sie krabbeln zu ihren Zimmern und schauen, wen sie da noch finden."
Frauen und Champagner in allen Preisklassen
Was seine finanzielle Lage angeht, gab sich Rogan in dem Interview auch nicht bedeckt: "Ich habe unglaublich viel Geld verdient, aber ich habe fast alles ausgegeben." Wofür? "Für Flüge um die Welt, für Frauen in jedem Bett, Champagner in allen Preisklassen und für die besten Trainer der Welt." Zwischenzeitlich sei er zu der Erkenntnis gekommen, dass "egal wie geil, wie reich eine Frau ist: am Ende musst du mit ihr allein auch interessante Gespräche führen können." Was er in Sachen Selbstinszenierung geändert hat, ist ebenfalls erstaunlich: "Das Erste, was ich nicht mache ist, dass ich über den Stephansplatz spaziere und schaue, wie viele Leute mich erkennen, was passiert, wie berühmt bin ich? Es war eine Obsession mit der eigenen Bekanntheit, die kennt keine Grenzen, es taugt mir eigentlich immer noch."
Nach 18 Kursen "bist du offiziell Jude"
2013 will Rogan seine Freundin heiraten. Nachdem sie Jüdin sei, wolle nun auch er konvertieren. "Meiner Freundin wäre es wurscht, aber ihr Vater ist jüdisch-orthodox, und es ist der Familie sehr wichtig, dass ihre Tochter einen jüdischen Haushalt führt." Der Sportler besuche auch schon einen Kurs, der ihn auf den Religionswechsel vorbereitet: "Die heilige Zahl ist 18: mit 18 vierstündigen Kursen in denen du den gesamten Leidensweg lernen und verstehen musst, dann wirst du geprüft, dann bist du offiziell Jude."
(APA/red.)