Ein Brief von Schlecker Österreich an Vermieter der Filialen sorgt für Aufsehen. Die Drogeriekette soll zu einem Nahversorger ausgebaut werden.
Das Schicksal von Schlecker Österreich und seinen 3000 Mitarbeitern - vorwiegend Frauen - wird voraussichtlich in den kommenden Tagen besiegelt. "Morgen ist Stichtag. Wir warten darauf, ob die Löhne und Gehälter noch gezahlt werden können", sagte Kreditschützerin Petra Wögerbauer vom KSV 1870. Laut Schlecker-Österreich-Anwalt Ferdinand Lughofer ist ein Verkauf ohne Insolvenz aber noch machbar. Er rechne mit einer Entscheidung "in den nächsten Tagen, eher früher als später".
Indes ist an die Vermieter der Filialen in den vergangenen Tagen ein Brief von Schlecker Österreich ergangen. Darin heißt es: "Neue Eigentümer planen, die Anton Schlecker GmbH in den nächsten Tagen zu übernehmen und mit allen 1350 Standorten in den Ländern Österreich, Italien, Polen, Belgien und Luxemburg weiterzuführen". Die Eigentümer werden in dem Schreiben gebeten, die Mietzahlungen für sechs Monate auszusetzen oder eine Absenkung der Miete um 20 Prozent zu akzeptieren. Bis Ende Juli wird um eine Entscheidung gebeten. Die Drogeriemarktkette soll demnach unter neuem Namen zu einem Nahversorger ausgebaut werden.
Neuer Handelsname für "Schlecker"
"Sie werden das bestehende Drogeriekonzept, welches die Basis bleibt, in eine spezielle 'Nahversorgungskette' entwickeln, die außer Drogeriewaren Impuls-Sortimente anbietet, welche die Kundenfrequenz und so auch die Flächenprofitabilität wesentlich verbessern", heißt es in dem Schreiben datiert mit 27. Juli, das der APA vorliegt. Schlecker Österreich werde "in naher Zukunft unter einem neuen Handelsnamen auftreten".
Das neue Nahversorgungskonzept von Schlecker soll die Konsumenten motivieren, ihre Güter des täglichen Bedarfs direkt an am Wohnort zu kaufen. "Wir befinden uns in einer Phase der Neuorientierung und wir arbeiten mit Hochdruck daran, ein positives Umfeld für einen Neustart zu schaffen", appelliert das Unternehmen an die Vermieter. Mit der Kostenoptimierung werde ein wesentlicher Beitrag zur Absicherung des Standortes geleistet.
Insolvenz-Entgeld-Fonds würde einspringen
Der Schlecker-Anwalt betonte, dass die Juli-Gehälter ausbezahlt werden. "Ich wüsste nicht, dass es nicht erfolgen kann", sagte Lughofer. Im Falle einer Insolvenz übernimmt der Insolvenz-Entgelt-Fonds (IEF) die Lohnzahlungen an die Mitarbeiter. Der Fonds hat sich in den vergangenen Wochen bereits auf den Ernstfall vorbereitet und rechnet mit einem Betrag in zweistelliger Millionenhöhe.
Neben den drei bekannten Interessenten soll es noch einen bisher ungenannten österreichischen Investor geben, der das komplette Unternehmen übernehmen will. "Kein Kommentar", hieß es dazu von der deutschen Schlecker-Insolvenzverwaltung. Der Linzer Finanzinvestor Recap um Anton Stumpf will rund 600 der insgesamt 900 Schlecker-Filialen nach einer "geordneten Insolvenz" übernehmen. Ex-dm-Manager Manfred Laaber sucht noch immer einen Investor für die Übernahme der Drogeriekette. Er will mindestens 600 Filialen übernehmen. Die MTH-Gruppe (u.a. Libro, Pagro) um den österreichischen Industriellen und Ex-Politiker Josef Taus ist hingegen nur an rund 100 Filialen interessiert.
Schlecker erhält Waren nur gegen Bargeld
Die offenen Verbindlichkeiten von Schlecker Österreich seien sehr gering, weil das Unternehmen Waren nur mehr gegen Bargeld erhalte, erklärte Wolfgang Hrobar vom Alpenländischen Kreditorenverband (AKV). Fraglich sei, ob der deutsche Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz weitere Kreditlinien aufmache um den Liquiditätsengpass zu entschärfen. Schlecker Österreich soll bereits von der deutschen Insolvenzverwaltung ein 28-Millionen-Euro-Darlehen für Wareneinkäufe erhalten haben. Geiwitz will sich nun mit dem anvisierten Verkaufserlös den Kredit zurückholen. Sollten die Angebote der Interessenten zu niedrig ausfallen, wird eine Liquidierung des Unternehmens (u.a Lagerabverkauf) damit immer wahrscheinlicher.
(APA)