Tabubrecher Markus Rogan reizt vor seinem Olympia-Einsatz wirklich alles aus.
Wenn der Tag lang ist, dann redet er wie ein Wasserfall. Das hat aber in erster Linie damit zu tun, dass Markus Rogan sich selbst der liebste Zuhörer ist. Der 30-Jährige, der am Mittwoch in die olympischen Schwimmbewerbe eingreift, hat zuletzt in London kaum ein Fettnäpfchen ausgelassen. Er hat offen über Sex, Geld und Champagner geplaudert, aber der Narziss hat auch ein Tabu gebrochen. Rogan, der Spaltpilz, hat ausgerechnet den als unantastbar geltenden Doppel-Olympiasieger Hermann Maier, der lange Zeit Raiffeisen-Stallkollege war, angegriffen und beleidigt.
Die Empörung ist groß; auf Markus Rogan, der in London beim Einmarsch der Nationen Österreichs Fahne getragen hat, wird nun medial eingeprügelt. Aber vielleicht ist es genau das, was der Selbstdarsteller braucht. Rogan wirkt vor seinen letzten Sommerspielen so aufgedreht, dass er jeglichen Verstand vermissen lässt. Was immer das für das Finale über die 200 Meter Lagen bedeuten mag. Ohne Medaille steht er jedenfalls wieder einmal als Depp der Nation da. Der normale Druck, der bei Olympischen Spielen herrscht, ist dem Grenzgänger offenbar zu wenig. Wer den Mund so weit aufreißt, der muss von sich selbst sehr überzeugt sein. Eigentlich schon so richtig wahnsinnig überzeugt.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.07.2012)